3
und einen geheimnißvollen Ton annahm;„ich habe Dir meinen Dollar mitgebracht.“
„O, ich kann ihn um die Welt nicht annehmen, Mr. George,“ ſagte Tom tiefgerührt.
3 Du mußt ihn nehmen!“ drängte George,„ſieh, ich habe der Tante Chloe geſagt, daß ich es thun wollte und ſie hat mir den Rath gegeben, ein Loch hindurchzumachen und ein Band hineinzuziehen, damit Du ihn um den Hals hängen kannſt, ſo daß er ihn nicht ſieht. Der gemeine Schuft würde ihn Dir ſonſt abnehmen. Hörſt Du, Tom, ich habe große Luſt, ihm gehörig die Leviten zu leſen, es würde mir gut thun.“
e thun Sie es nicht, Mr. George, denn es würde für mich nicht gut ſein.“
„Nun, um Deinetwillen werde ich es laſſen,“ ſagte George, indem er ⸗ifris den Dollar um Tom's Hals hing;„ſo, aber jetzt knöpfe den Rock feſt darüber zu und behalte ihn, und jedesmal, wenn Du ihn ſiehſt, erinnere Dich daran, daß ich Dir nachkommen und Dich wieder holen werde. Ich habe mit Tante Chloe darüber geſprochen und ihr geſagt, daß ſie keine Furcht haben ſolle, ich werde dafür ſorgen und den Vater todt quälen, wenn er es nicht thut.“
„O Mr. George, Sie müſſen nicht ſo von Ihrem Vater ſprechen.“
„Gott, Onkel Tom, ich meine nichts Böſes.“
„Und nun, Mr. George,“ ſagte Tom,„jetzt müſſen Sie ein guter Junge ſein. Bedenken Sie, wie Viele ihre Hoffnungen auf Sie geſetzt haben. Halten Sie Sich ſtets nach Ihrer Mutter. Nehmen Sie nicht die thörichte Manier an, die viele junge Menſchen haben, zu klug zu werden, um auf ihre Mutter zu achten. Ich will Ihnen etwas ſagen, Mr. George, der Herr giebt uns eine Menge von Dingen doppelt, aber eine Mutter giebt er nur einmal. Sie werden nie wieder eine ſolche Frau ſehen, Mr. George, wenn Sie auch hundert Jahre alt würden. Halten Sie ſich alſo an ſie und wachſen Sie ihr zum Troſte auf und ſeien Sie mein guter Junge.— Nicht wahr, das werden Sie thun?“
„Ja, das werde ich, Onkel Tom,“ antwortete George ernſtlich.
„Und nehmen Sie ſich im Sprechen in Acht, Mr. George, die Knaben find mitunter eigenwillig, wenn ſie in Ihre Jahre kommen— es iſt natürlich, daß ſie es ſind, aber echte Gentlemen, wie Sie hoffentlich Einer ſein werden, laſſen nie ein Wort fallen, das nicht ehrerbietig gegen ihre Eltern wäre. Sie find doch nicht beleidigt, Mr. George?“
„Nein, wirklich nicht, Onkel Tom; Du gabſt mir ſtets gute Rathſchläge.“
„Ich bin älter wie Sie, wiſſen Sie,“ ſagte Tom, indem er den hübſchen Lockenkopf des Knaben mit ſeiner großen, ſtarken Hand ſtreichelte, aber mit einer Stimme ſprach, die eben ſo ſanft und zärtlich war, wie die eines Weibes, und ich ſehe Alles, was in ihnen verborgen liegt. O, Mr. George, Sie haben Alles — Gelehrſamkeit, Vorrechte, Leſen, Schreiben— und Sie werden noch zu einem großen, gelehrten, guten Manne aufwachſen und alle Leute auf dem Gute und Ihre Eltern werden ſtolz auf Sie ſein. Seien Sie ein guter Herr wie Ihr Vater und ein Chriſt wie Ihre Mutter. Gedenken Sie Ihres Schöpfers in den Tagen Ihrer Jugend, Mr. George.“
„Ich werde wahrhaftig gut ſein, Onkel Tom, das ſage ich Dir!“ rief George.„Ich will ein ganzer Kerl werden; verliere nur den Muth nicht. Ich bringe Dich ſchon wieder zurück. Ich habe es heute früh der Tante Chloe L. daß ich Dir ein neues Haus bauen werde, und daß Du darin Platz für ein Zimmer mit einem Teppich haben ſollſt, wenn ich ein Mann geworden bin. O Du wirſt noch gute Zeiten erleben.“


