3 66 10. Die Waare wird fortgeſchafft.
Der Februarmorgen blickte grau und regneriſch in das Fenſter der Hütte
Tom's. Er beleuchtete niedergeſchlagene Geſichter, die Bilder trauriger Herzen. Vor dem Feuer ſtand das mit einer Plättdecke überzogene Tiſchchen, ein paar friſch⸗ geplättete grobe, aber reine Hemden hingen auf der Lehne eines Stuhls am Kamin und Tante Chloe hatte ein drittes vor ſich auf dem Tiſche ausgebreitet. Sie rieb und plättete ſorgfältig jede Falte und Nath, indem ſie von Zeit zu Zeit ihre Hand zum Geſicht erhob, um die ihr über die Wangen herablaufenden Thränen abzuwiſchen. 2
Tom ſaß mit dem auf ſeinen Knieen aufgeſchlagenen neuen Teſtamente und auf ſeine Hand geſtütztem Kopfe bei ihr, aber weder er noch ſie ſprach ein Wort. Es war noch früh und die Kinder lagen beiſammen in ihren Bettchen und ſchliefen.
Tom, der den ſanften, häuslichen Charakter, welcher zum Unglück ſeiner Race dieſelbe beſonders auszeichnet, im vollen Umfange beſaß, ſtand auf und trat ſchweigend an das Bettchen, um ſeine Kinder zu betrachten.
„Es iſt das letzte Mal,“ ſagte er.
Tante Chlve antwortete nicht, ſondern überplättete nur das grobe Hemd, welches bereits ſo glatt war, als es Menſchenhände nur immer machen konnten, von Neuem, ſetzte aber endlich ihr Plätteiſen mit einer verzweiflungsvollen Be⸗ wegung nieder, ſank auf einen Stuhl am Tiſche und weinte laut.
„Wir ſollen uns darein ergeben; aber Herr, wie kann ich das thun? Wenn ich nur wüßte, wohin man Dich bringen oder wie man Dich behandeln wird! Die Miſſis ſagt, daß ſie verſuchen wolle, Dich in einem oder ein paar Jahren loszukaufen, aber von Denen, die dort hinabgehen, iſt noch Keiner wiedergekom⸗ men. Sie werden dort umgebracht. Ich habe gehört, wie man ſie in den Pflan⸗ zungen arbeiten läßt.“
„Derſelbe Gott, der hier iſt, wird auch dort ſein, Chloe.“
„Nun,“ ſagte Tante Chloe,„wenn auch, aber der Herr läßt mitunter ent⸗ ſetzliche Dinge geſchehen. Das bringt mir keinen Troſt.“
„Ich ſtehe in der Hand des Herrn,“ ſagte Tom,„nichts kann weiter gehen, als er es zuläßt, und es giebt Eines, wofür ich ihm danken kann: es iſt das, daß ich verkauft bin und hinabgehen muß und nicht Du und die Kinder. Ihr ſeid hier in Sicherheit, was kommen wird, fällt nur auf mich und der Herr wird mir helfen— ich weiß, daß er es thun wird.“ Tom ſprach das mit er⸗ ſtickter Stimme, aber man hörte daraus ſein muthiges, ſtarkes Herz.„Laß uns an die Gnade denken, die uns zu Theil geworden iſt,“ fügte er bebend hinzu, als ſei er vollkommen ſicher, daß er es nothig habe, ſehr ſtark daran zu denken.
„Gnade!“ erwiderte Tante Chloe,„ich ſehe keine Gnade darin! es iſt nicht recht! es iſt nicht recht, daß es ſo kommen kann. Der Maſter hätte es nicht zulaſſen dürfen, daß Du für ſeine Schulden genommen werden konnteſt. Du haſt ihm Alles das, was er für Dich erhält, doppelt verdient. Er war Dir Deine Freiheit ſchuldig und hätte Dir ſie vor Jahren geben ſollen. Es iſt mög⸗ lich, daß er es jetzt nicht ändern kann, aber ich fühle, daß es Unrecht iſt. Davon kann mich nichts abbringen. Du biſt ein ſo treues Geſchöpf geweſen und haſt ſtets Deine Geſchäfte in jeder Hinſicht den ſeinen nachgeſetzt und auf ihn mehr gehalten als auf Deine eigne Frau und Kinder. Gott verzeihe es Denjenigen, die Liebe und Herzblut verkaufen, um aus ihren Schulden zu kommen.“
„Chloe, wenn Du mich lieb haſt, ſo ſprich nicht ſo, denn es wird vielleicht das letzte Mal ſein, daß wir je beiſammen find! Und ich ſage Dir, Chloe, es
geht mir gegen den Strich, ein Wort gegen den Maſter zu hören. Iſt er nicht


