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„Ich weiß, daß es ſo war, ich weiß es, aber ich habe es gethan,“ ſagte die Verſtörte;„ich würde nicht gedacht haben, daß ich es könnte— ich hatte nicht
eglaubt daß ich herüberkommen würde, aber ich machte mir nichts daraus; ich
onnte nicht mehr als ſterben, wenn es mir nicht gelang. Der Herr hat mir ge⸗
holfen. Keiner weiß, wie ihm der Herr helfen kann, bis er es verſucht,“ fügte
die Frau mit blitzenden Augen hinzu.
„Waren Sie eine Sklavin?“ fragte Mr. Bird..
„Ja, Sir, ich gehörte einem Manne in Kentucky.“
„War er unfreundlich gegen Sie?“
„Nein, Sir, er war ein guter Herr.“
„Und war Ihre Herrin unfreundlich gegen Sie?“
„Mein, Sir— nein— meine Herrin iſt ſtets gut gegen mich geweſen.“
„Was konnte Sie dann bewegen, eine gute Heimath zu verlaſſen und zu
entlaufen und ſich ſolchen Gefahren auszuſetzen?“ ²
Die Frau blickte mit ſcharfen, forſchenden Augen zu Mrs. Bird auf und es entging ihr nicht, daß ſie in Trauer gekleidet war.
„Madam,“ ſagte ſie plötzlich,„haben Sie je ein Kind verloren?“
Die Frage kam ſo unerwartet und ſie riß eine kaum vernarbte Wunde auf,
denn es war erſt ein Monat vergangen, ſeit man ein geliebtes Kind der Familie
in das Grab gelegt hatte.
Mr. Bird wendete ſich um und trat an das Fenſter, und Mrs. Bird brach in Thränen aus, faßte ſich aber wieder und ſagte:
„Warum fragen Sie das? ich habe ein Kleines verloren.“
„Dann werden Sie für mich fühlen. Ich habe zwei verloren, eines nach dem andern— ſie ſind dort, von wo ich komme, begraben, und ich hatte nur noch dieſes Eine. Ich ſchlief keine Nacht ohne ihn; er war Alles, was ich hatte, er war mein Troſt und Stolz bei Tag und Racht, und, Madam, man wollte ihn
ir wegnehmen, ihn verkaufen, ihn nach Süden hinab verkaufen, Madam, wo⸗
hin er ganz allein gehen ſollte— ein Kind, das in ſeinem ganzen Leben noch nie von ſeiner Mutter hinweggekommen war. Ich konnte es nicht ertragen, Madam; ich wußte, daß ich nie wieder zu etwas gut ſein würde, wenn man es that: und ſobald ich wußte, daß die Papiere unterzeichnet waren und daß er ver⸗ kauft war, nahm ich ihn und entfloh in der Nacht und man jagte mir nach— der Mann, der ihn gekauft hatte, und einige von den Leuten des Herrn, und ſie kamen dicht hinter mir herab und ich hörte ſie. Ich ſprang auf das Eis und wie ich herübergekommen bin, weiß ich nicht. Das Erſte, worauf ich mich wieder be⸗ ſinne, war, daß mir ein Mann das Ufer hinaufgeholfen hat.“
Die Fremde ſchluchzte weder, noch weinte ſie. Ihre Thränen waren ver⸗ ſiegt, aber alle ſie Umgebenden zeigten auf die eine oder andere Weiſe Spuren einer herzlichen Theilnahme.
Die beiden kleinen Knaben hatten ſich, nachdem ſie verzweifelt in ihren Ta⸗ ſchen die Taſchentücher geſucht, welche, wie die Mütter wiſſen, nie dort zu finden ſind, untröſtlich an das Kleid ihrer Mutter gehangen, wo ſie ſchluchzten und ſich nach Herzensluſt die Augen und Naſen wiſchten. Mrs. Bird hatte ihr Antlitz in ihr Taſchentuch verborgen und die alte Dina rief mit über ihr ſchwarzes, ehr⸗ liches Geſicht herablaufenden Thränen:„Gott ſei uns gnädig!“ als ob ſie bei einer Feldpredigt wäre, und der alte Cudjo rieb ſich die Augen ſcharf mit ſeinem Rockärmel und machte eine ungewöhnliche Quantität von Grimaſſen, während er von Zeit zu Zeit in demſelben Tone Ausrufungen ausſtieß.
Unſer Senator war ein Staatsmann und man konnte ihm natürlich nicht zutrauen, daß er weinte wie andere Sterbliche. Er wendete daher der Geſell⸗


