müßt gehen. Wollt Ihr ein paar Tage hier liegen bleiben bis das Mädchen auf der unterländiſchen Linie nach Sandusky gebracht worden iſt, ehe ihr—“
„O, nein, ich fürchte mich gar nicht,“ entgegnete Marks,„aber—“
„Aber was?“ ſagte Tom.
„Aber das Boot, Ihr ſeht, daß kein Boot hier iſt.“
„Ich habe von der Frau gehört, daß heute Abend eines kommen wird, und daß ein Mann damit hinüber geht. Alles vder nichts, wir müſſen mit ihm gehen,“ antwortete Tom.
„Ich hoffe, daß Ihr gute Hunde habt,“ ſagte Haley.
„Die beſten von der Welt“ ſagte Marks;„aber was nützt das? Ihr habt ja nichts von ihr, das man ihnen zum Riechen vorhalten könnte.“
„Ja, ich habe etwas,“ erwiderte Haley triumphirend,„hier iſt ihr Shawl, den ſie in ihrer Eile auf dem Bett zurückgelaſſen hat, auch ihr Hut iſt noch da.“
„Das iſt ein Glück,“ſagte Loker;„gebt die Sachen her.“
„Aber die Hunde könnten dem Mädchen Schaden thun, wenn ſie es un⸗ vermuthet träfen,“ meinte Haley.
„Das iſt zu bedenken,“ entgegnete Marks,„unſere Hunde haben einmal Sie in Mobile einen Burſchen halb in Stücke zerriſſen, ehe wir ihn losbringen
onnten.“
„Nun ſeht Ihr für dieſe Sorte, die wegen ihres Aeußern gekauft wird, ſind die Hunde nichts,“ ſagte Haley.
„Ich verſtehe,“ antwortete Marks.„Wenn ſie irgendwo aufgenommen wor⸗ den iſt, ſo nützt es übrigens auch nichts. Die Hunde helfen in den obern Staa⸗ ten, wo die Nigger gefahren werden, überhaupt wenig, denn man kann ſie na⸗ türlich nicht 4 ihre Fährte bringen. Sie gehen nur unten in den Pflanzungen an, wo die Nigger, wenn ſie entlaufen, zu Fuße gehen müſſen und keine Hilfe erhalten.“
„Nun,“rief Loker, der in das Schenkzimmer hinaus gegangen war, um Erkundigungen anzuſtellen,„der Mann mit dem Bovte iſt gekommen, alſo tarks.“—
„Der Ehrenmann warf einen betrübten Blick auf das behagliche Quartier, welches er verlaſſen mußte, erhob ſich jedoch langſam, um zu gehorchen. Nach⸗ dem er mit Haley noch einige verſtändigende Worte gewechſelt hatte, übergab dieſer mit ſichtlichem Widerſtreben die funfzig Dollars an Tom und das ſchöne Kleeblatt trennte ſich.
Während ſich dieſe Scene in dem Wirthshauſe ereignete, ſetzten Sam und Andy munter ihren Heimritt fort.
Sam's Heiterkeit hatte den höchſten Gipfel erreicht und er gab ſeinen Triumph durch alle möglichen übernatürlichen Schreie und Ausrufe, ſowie durch die ſonderbarſten Bewegungen und Verrenkungen ſeines ganzen Körpers zu er⸗ kennen. Bald ſaß er verkehrt mit dem Geſicht nach dem Schweife des Pferdes gewendet da, bald ſchwenkte er ſich mit einem Halloh wieder zurück, nahm ein gravitätiſches Geſicht an und begann Andy in hochtönenden Worten eine Straf⸗ predigt zu halten, weil er lache und den Narren ſpiele. Bald ſchlug er ſich auf die Schenkel und brach in ein Gelächter aus, von welchem die alten Wälder widerhallten. Bei allen dieſen Evolutivnen ließ er aber doch die Pferde aus⸗ greifen ſo gut ſie konnten, bis endlich zwiſchen Zehn und Elf ihr Hufſchlag auf dem Kieswege am Ende des Balkons hörbar wurde. Mrs. Shelby eilte heraus. „Biſt Du es, Sam!— wo ſind ſie?“


