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gee nd nichts darüber ſagte, und ich vertauſchte es gegen ein Faß Whisky;
aber als es daran ging, den Jungen von der Dirne loszubringen, war ſie gerade
wie eine Tigerin. Als wir aufbrechen wollten und ich meine Heerde noch nicht
zuſammengekettet hatte, ſprang ſie auf einen Baumwollenballen wie eine Katze,
riß einem von den Matroſen das Meſſer von der Seite und ſtach wie raſend eine
Minute lang um ſich, bis ſie ſah, daß es nichts nützte, und dann drehte ſie ſich
um und ſtürzte ſich ſammt ihrem Kinde köpflings ins Waſſer. Sie ging zu Grunde wie ein Stein und kam nicht wieder in die Höhe.“
„Pah!“ ſagte Tom Loker, der dieſe Geſchichte mit ſchlecht verhehltem Miß⸗ fallen angehört hatte;„Ihr wißt es alle Beide nicht recht anzufangen. Meine Dirnen machen keinen ſolchen Spektakel. Das kann ich Euch ſagen.“ „Wirklich! wie könnt Ihr es ändern?“ ſagte Marks ſchnell.
„Aendern!— ei, wenn ich eine Dirne kaufe und ſie hat ein Kind, das ver⸗ kauft werden ſoll, ſo gehe ich zu ihr und halte ihr meine Fäuſte vor das Geſicht und ſage: Schau her, wenn Du mir ein einziges Wort hören läßt, ſo ſchlage ich 3 Dir das Geſicht ein. Ich will kein Wort hören, nicht den Anfang eines Wortes. ch ſage zu ihnen: Dieſes Kind iſt mein und nicht Dein, und Du haſt nichts mit ihm zu ſchaffen. Ich werde es verkaufen ſobald ich kann, und hörſt Du, daß
Du keinen Spektakel deshalb machſt, ſonſt ſollſt Du wünſchen, daß Du nie ge⸗ bren wäreſt. Ich ſage Euch, ſie ſehen, daß es kein Kinderſpiel iſt, wenn ich ein⸗
mal anfaſſe. Ich mache ſie ſtumm wie die Fiſche und wenn eine von ihnen an⸗ füngt n zu belfern beginnt— nun—“ und Mr. Loker ſchlug mit ſeiner Fauſt ſchallend auf den Tiſch und beendigte damit ſeine Rede, ſo daß ihn Beide genügend verſtanden..
„Das nenne ich Nachdruck,“ ſagte Marks, indem er Haley in die Seite ſtieß und wieder zu kichern begann;„iſt Tom nicht ein eigenthümlicher Kauz? hihihi Hört, Tom, ich glaube, daß ihr ihnen Verſtändniß beibringt, denn alle Neger haben Wollköpfe. Sie haben nie Zweifel über den Sinn Eurer Worte. Tom, wenn Ihr nicht der Teufel ſeid, ſo ſeid Ihr ſein Zwillingsbruder, das Lob kann ich Euch geben.“
Tom nahm das Kompliment mit geziemender Beſcheidenheit auf und machte das freundlichſte Geſicht, welches ſich mit ſeiner Natur vertrug.
Haley, der ziemlich ſtark getrunken hatte, begann eine merkliche Erweite⸗ rung und einen bedeutenden Zuwachs ſeiner Moralität zu fühlen— eine Er⸗ ſcheinung, die bei Männern von ernſtem, nachdenkendem Charakter unter ähn⸗ lichen Umſtänden nicht ungewöhnlich iſt. „Nun, Tom,“ ſagte er,„Ihr treibt es wirklich zu ſchlimm; das habe ich Euch ſtets geſagt, Ihr wißt, Tom, daß ich unten in Natchez mit Euch über der⸗ ſn Dinge zu reden pflegte und daß ich Euch bewies, daß wir gerade eben ſo viel verdienten und in dieſer Welt eben ſo gut daran wären, wenn wir ſie gut behandelten, außerdem daß wir eine beſſere Ausſicht darauf hätten, endlich in den Himmel zu kommen, wenn es ans Sterben geht und ſonſt nichts mehr an⸗ zufangen iſt.“
„Pah,“ ſagte Tom,„wahrhaftig, das weiß ich nur zu gut. Macht mir mit Euerm Zeug nicht übel;— mein Magen iſt ſo jetzt etwas angegriffen,“ und Tom trank ein halbes Glas unvermiſchten Branntwein.
„Nun,“ fuhr Haley fort, indem er ſich in ſeinen Stuhl zurücklehnte und— ausdrucksvoll geſtikulirte;„das muß ich ſagen, daß ich ſtets meinen Handel ſo betrieben habe, daß ich vor Allem ſo viel Geld daran verdiene, wie irgend ein Anderer, aber das Handeln iſt nicht das Einzige und das Geld iſt nicht das Ein⸗ zige, denn wir haben Alle Seelen. Es kümmert mich nicht, wer mich hört, und
Onkel Tom's Hütte. 4


