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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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„Ja, das iſt er. Hier Marks, das iſt der Kerl mit dem ich in Natchez ein Geſchäft hatte.“ 4

„Es ſoll mich freuen ſeine Bekanntſchaft zu machen,“ ſagte Marks, in⸗ dem er eine lange dünne Hand wie eine Rabenklaue herausſtreckte.„Mr. Haley, glaube ich?“

„Das iſt mein Name, Sir,“ ſagte Haley,„aber nun Ihr Herren, da wir uns ſo glücklich zuſammengetroffen haben, ſo will ich hier in dieſem Zimmer traktiren. Nun alter Waſchbär,“ fuhr er gegen den Mann am Schenktiſche ge⸗ wendet fort,„bringt uns heißes Waſſer und Zucker und Cigarren und eine reichliche Quantität von echtem Stoff— wir wollen es uns wohl ſein laſſen.“

Die Lichter wurden angezündet, das Feuer im Kamin zum Brennen ge⸗ bracht und unſere drei Spießgeſellen ſetzten ſich um einen mit den eben beſtellten Hilfsmitteln der Geſelligkeit bedeckten Tiſch.

Haley begann eine pathetiſche Erzählung ſeiner Noth. Loker preßte den Mund zuſammen und hörte ihm mit mürriſcher Aufmerkſamkeit zu, Marks, welcher ſich geſchäftig ein Glas Punſch nach ſeinem Geſchmack zuſammenbraute, blickte von Zeit zu Zeit auf, ſtieß mit ſeiner ſcharfen Naſe und ſeinem ent⸗ ſprechenden Kinn beinahe in Haley's Geſicht und zollte der ganzen Erzählung die ernſtlichſte Beachtung. Ihr Ende ſchien ihn ungemein zu beluſtigen, denn er ſchüttelte ſchweigend ſeine Schultern und ſeinen Leib und verzog ſeine dünnen Lippen mit der Miene großen inneren Wohlbehagens.

„Sie ſitzen alſo auf dem Trocknen,“ſagte er;„hihihi! es iſt ſehr nett ab⸗ gemacht worden.“

„Das Kindergeſchäft macht einem im Handel ungeheuer viel zu ſchaffen!“ ſagte Haley kläglich.

„Wenn wir nur eine Zucht Mädchen bekommen könnten, die ſich nichts aus ihren Kindern machten,“ meinte Marks,„ſo denke ich, daß das die größte Er⸗ findung unſerer Zeit ſein würde.“ Und er begleitete ſeinen Witz mit einem ru⸗ higen Kichern.

„So iſt es,“ ſagte Haley,„ich habe es nie begreifen können. Die Kleinen machen ihnen eine Menge Mühe und Noth;— man ſollte denken, daß ſie froh ſeien, wenn ſie ſie los würden; aber es iſt ſo, und je mehr ein Kind Mühe macht und je nichtsnutziger es im Allgemeinen iſt, deſto feſter hängen ſie an ihm.“

„Nun Mr. Haley,“ ſagte Marks,„geben Sie mir das heiße Waſſer her⸗ über. Ja, Sir, Sie drücken ganz meine Gefühle aus; ich habe einmal ein Mäd⸗ chen gekauft als ich den Handel noch betrieb— eine feſte, hübſche Dirne von bedeutendem Verſtand— und ſie hatte ein Kleines, das zum Erbarmen kränklich war; es hatte einen Buckel oder etwas dergleichen, und ich ſchenkte es einem Manne, welcher glaubte, daß er die Gefahr laufen wollte es aufzuziehen, da es ihm nichts koſtete— natürlich dachte ich nicht, daß ſich das Mädchen etwas daraus machen würde— aber Du lieber Gott! Sie hätten nur ſehen ſollen, wie ſie es trieb. Wahrhaftig, ſie ſchien das Kind nur um ſo höher zu ſchätzen, weil es kränklich und mürriſch war und ſie beſtändig plagte und ſie that nicht blos ſo— ſie weinte ſo darüber, härmteſich ſo ab, als ob ſie alle ihre Freunde in der Welt verloren hätte. Es war wirklich komiſch, wenn man darüber nach⸗ dachte. Gott, die Weiberlaunen ſind endlos.“

„So iſt es mir gerade auch gegangen,“ meinte Haley;„vergangenen Som⸗ mer handelte ich unten am Red⸗River ein Mädchen mit einem ganz hübſchen Kinde ein, deſſen Augen eben ſo hell ausſahen, wie die ihren, aber als ich es näher anſah, fand ich, daß es ſtockblind war, wahrhaftig, es war ſtockblind! — Nun, ſehen Sie, ich dachte, daß es nichts ſchaden würde, wenn ich es weiter