Druckschrift 
Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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„Hörſt Du,“ ſagte Haley,„ich kenne Dich, Du wirſt mich mit alle Deinem Lärm nicht von dieſem Wege hier abbringen— alſo beruhige Dich.“

„Der Maſter muß ſeinen Willen haben,“ antwortete Sam mit einem kläg⸗ lichen unterwürfigen Geſichte, blinzelte aber zu gleicher Zeit Andy zu, deſſen Entzücken jetzt beinahe den Erploſionspunkt erreicht hatte.

Sam war in der herrlichſten Laune. Er that als ob er ſich fortwährend umſchaue. Bald rief er, daß er einen Weiberhut auf dem Gipfel einer fernen Anhöhe erblicke; bald fragte er Andy, ob das dort im Thale nicht Lizzy ſei— ſtets fanden aber dieſe Ausrufe in einem rauhen oder felſigen Theile des Weges ſtatt, wo die plötzliche Beſchleunigung der Schnelligkeit für alle Betheiligten ganz beſonders unbequem war, und erhielt auf dieſe Weiſe Haley in beſtändiger Aufregung.

Nachdem ſie etwa eine Stunde weit auf dieſe Weiſe geritten waren, kam

die ganze Geſellſchaft plötzlich und lärmend in einen Wirthſchaftshof, der zu

einem bedeutenden Gute gehörte. Man ſah keine Seele, da ſämmtliche Arbeiter auf dem Felde beſchäftigt waren, da aber die Scheune unverkennbar quer über

den Weg gebaut war, zeigte es ſich, daß ihre Reiſe in dieſer Richtung unbedingt ihr Ende erreicht hatte.

„Iſt es nicht gerade ſo, wie ich es dem Maſter geſagt hatte?“ ſagte Sam mit der Miene der beleidigten Unſchuld;„wie können fremde Herren erwarten, daß ſie eine Gegend beſſer kennen als Diejenigen, welche darin geboren und auf⸗ gewachſen ſind.“

„Du Schurke,“ ſagte Haley,„Du haſt es recht gut gewußt.“

„Habe ich Ihnen nicht geſagt, daß ich es wiſſe? aber Sie wollten mir nicht glauben. Ich habe dem Maſter geſagt, daß Alles geſchloſſen und verſperrt ſei, und daß ich nicht glaubte, daß wir durchkommen könnten. Andy hat es gehört.“

Es war zu richtig, als daß es beſtritten werden konnte und derunglückſelige Sklavenhändler mußte ſeinen Zorn ſo gut er konnte in die Taſche ſtecken und alle Drei ſchwenkten rechts ab, um den Marſch nach der Landſtraße anzutreten.

In Folge aller dieſer Verzögerungen dauerte es etwa Dreiviertelſtunde, nachdem Eliza ihr Kind in dem Dorfwirthshauſe ſchlafen gelegt hatte, ehe die Geſellſchaft vor demſelben anritt. Eliza ſtand am Fenſter und blickte nach einer

andern Seite, als Sam's ſcharfes Auge ihrer anſichtig wurde. Haley und Andy

waren zwei Schritt hinter ihm. In dieſer Kriſis richtete es Sam ſo ein, daß

der Wind ihm den Hut vom Kopfe wehte, und er ließ einen lauten charakteriſti⸗

ſchen Ausruf vernehmen, welcher ſie ſofort aufmerkſam machte. Sie zog ſich

plötzlich zurück und die Reiter begaben ſich an dem Fenſter vorüber nach der Vorderthür. In dieſem Momente ſchienen ſich für Eliza tauſend Leben zu con⸗ centriren. Ihr Zimmer ging durch eine Seitenthür nach dem Fluſſe hinaus. Sie

erfaßte ihr Kind und ſprang die zum Fluſſe hinabführende Treppe hinunter.

Der Sklavenhändler erblickte ſie, als ſie eben hinter dem Ufer verſchwand, warf

ſich von ſeinem Pferde, rief Sam und Andy laut zu, um ihm zu folgen und war

ſogleich hinter ihr her wie ein Bluthund hinter einem Reh.

In dieſem ſchwindelnden Augenblicke ſchien es ihr, als ob ihre Füße kaum den Boden berührten und ſie war ſchnell am Rande des Waſſers. Die Verfolger waren ihr dicht auf dem Fuße und von einer Kraft, wie ſie Gott nur den Ver⸗ zweifelten verleiht, beſeelt, ſprang ſie mit einem wilden Schrei über die trübe

Strömung am Ufer bis auf die jenſeits liegende Eisſcholle. Es war ein unge⸗

heurer Satz, den nur Wahnſinn und Verzweiflung ausführen konnte und Haley,