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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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„Wenn Ihr Beide nur nicht ſo verwünſchte Lügner wäret,“ ſagte er vor ſich hin, während er einen Augenblick nachdachte.

Der gedankenvolle Ton, in welchem dies geſprochen wurde, ſchien Andy un⸗ geheuer zu beluſtigen, und er zog ſich ein wenig nach hinten zurück und ſchüt⸗ kelte ſich ſo, daß er die größte Gefahr vom Pferde zu fallen zu haben ſchien, während Sam's Geſicht ſeine unbewegliche Gravität beibehielt.

„Natürlich,“ ſagte Sam,„kann der Maſter thun, was er will, er kann den geraden Weg nehmen, wenn es der Maſter für das Beſte hält— uns iſt es Alles Fins. Wenn ich es mir überlege, ſo denke ich am Ende auch, daß der gerade Weg entſchieden der beſte iſt.“

„Es iſt natürlich, daß ſie einen einſamen Weg eingeſchlagen haben wird,“ bemerkte Haley laut denkend und ohne Sam's Bemerkung zu beachten.

„Das läßt ſich nicht behaupten,“ meinte Sam,„die Weiber haben immer etwas Eigenes; ſie thun nichts von dem, was man von ihnen denkt, ſondern ge⸗ wöhnlich eher das Gegentheil. Die Weiber ſind aus Widerſprüchen znſammen⸗ geſetzt und wenn man daher denkt, daß ſie den einen Weg gegangen ſind, ſo iſt es gewiß, daß man beſſer thun wird, den andern zu gehen, und dann iſt man ſicher, ſie zu finden. Meine Privatmeinung iſt die, daß Lizzy den Kothweg ein⸗ geſchlagen hat, und ich denke daher, daß wir am beſten thun, auf dem geraden zu gehen.“

Pirſe tiefe Idee über das weibliche Geſchlecht im Allgemeinen, ſchien Haley nicht beſonders für den geraden Weg geneigt zu machen, und er ſagte entſchie⸗ den, daß er den andern einſchlagen werde, und fragte Sam, wenn ſie an denſel⸗ ben gelangen würden. twas weiterhin,“ antwortete Sam, indem er Aüdy mit dem Auge, wel⸗ ches ſich auf ſeiner Seite befand, zublinzelte, und er fügte ernſthaft hinzu:„aber ich habe über die Sache nachgedacht und bin feſt überzeugt, daß wir nicht auf jenem Wege gehen ſollten; ich bin nie darauf geweſen; er iſt verzweifelt einſam und wir könnten uns verirren. Gott weiß, wo wir dann herauskommen würden.“

„Ich werde trotz alle dem jenen Weg einſchlagen,“ ſagte Haleh.

„Jetzt, da ich daran denke, fällt mir ein, daß ich gehört habe, daß der Weg unten am Bache verſperrt iſt, nicht wahr, Andy?“

Andy wußte es nicht gewiß; er hatte nur von jenem Wege gehört, war aber nie ſelbſt darauf geweſen; kurz, er wollte ſich nicht blos geben.

Haley, der gewohnt war, die Wahrſcheinlichkeit von Lügen von bedeutenderer oder geringerer Größe abzuwägen, glaubte, daß ſie zu Gunſten des vorerwähn⸗ ten Kothwegs ſprächen. Er glaubte bemerkt zu haben, wie Sam die Sache an⸗ fangs unwillkürlich erwähnt habe und ſeine verwirrten Verſuche, ihn davon ab⸗ zubringen, ſchrieb er der weiteren Ueberlegung und der Abneigung, Eliza fangen zu laſſen, zu.

Sobald daher Sam den Weg anzeigte, ſchlug Haley denſelben von Sam

und Andy gefolgt, augenblicklich ein.

Es war in der That ein alter Weg, welcher früher an den Fluß geführt hatte, aber nach der Anlegung der neuen Straße ſchon ſeit vielen Jahren ver⸗ laſſen. Man konnte etwa eine Stunde lang unbehindert darauf reiten, aber von da an war er durch Felder und Zäune verſperrt. Sam kannte dieſen Umſtand vollkommen und der Weg war in der That ſchon ſo lange außer Gebrauch, daß Andy nie etwas davon gehört hatte. Er ritt daher mit der Miene pflichtſchul⸗ diger Unterwürfigkeit darauf weiter und ſtöhnte und ſchrie nur zuweilen, daß er verzweifelt rauh und ſchlecht für Jerry's Füße ſei.