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„Was giebt es?“ fragte ſie.
„Giebt es keine Fähre, kein Boot hier, um Einen nach R— yüberzufahren?“ fragte ſie.
„Nein, die Boote fahren nicht mehr,“ ſagte die Frau.
Eliza's verſtörte Miene fiel der Frau auf und ſie ſagte forſchend:
„Ihr möchtet wohl hinüber? Iſt Jemand krank? Ihr ſcheint ſehr ängſt⸗ lich zu ſein.“
„Ich habe ein Kind, das in großer Gefahr ſchwebt,“ ſagte Eliza,„ich habe es erſt geſtern Abend gehört, und bin heute eine große Strecke weit gegangen, weil ich hoffte, noch an die Fähre zu kommen.“
„Das trifft ſich unglücklich,“ meinte die Frau, deren mütterliche Theil⸗ nahme erregt wurde,„Ihr thut mir wirklich leid. Salomo!“ rief ſie aus dem Fenſter nach einem kleinen Hintergebäude, und ein Mann in einer Lederſchürze und mit äußerſt ſchmutzigen Händen zeigte ſich an der Thür.
„Höre, Salomo,“ fragte die Frau,„wird der Mann die Fäſſer noch heute Abend hinüberſchaffen?“
„Er hat geſagt, daß er es verſuchen würde, wenn es ſich irgendwie thun ließe,“ antwortete der Mann.
„Ein Stück weiter flußabwärts iſt ein Mann, der heute Abend mit Waaren hinüber gehen wird, wenn er irgend kann;er wird zum Abendeſſen herkommen. Das iſt ein hübſches kleines Bürſchchen,“ fügte die Frau hinzu, indem ſie ihm einen Kuchen anbot.
Das völlig erſchöpfte Kind begann jedoch vor Müdigkeit zu weinen.
„Der arme Burſche, er iſt nicht an das Laufen gewöhnt und ich habe ihn ſehr übereilt,“ ſagte Eliza.
„Nun, bringt ihn in dieſes Zimmer hier,“ meinte die Frau, indem ſie ein kleines Schlafzimmer, wo ſich ein hübſches Bett befand, öffnete. Eliza legte den müden Knaben darauf und hielt ſeine Hände in den ihren, bis er feſteingeſchlafen war. Für ſie gab es keine Ruhe. Der Gedanke an die Verfolger trieb ſie wie ein verzehrendes Feuer vorwärts und ſie blickte mit ſehnenden Augen auf die trüben, ſtürmiſchen Wellen, welche zwiſchen ihr und der Freiheit lagen.
Hier müſſen wir ſie für den Augenblick verlaſſen, um uns zu ihren Ver⸗ folgern zu wenden.
Obgleich Mrs. Shelby verſprochen hatte, daß das Mittagseſſen in aller Eile auf den Tiſch kommen ſollte, ſo zeigte ſich doch bald, daß, wie ſchon oft ge⸗ ſchehen iſt, zu einem Handel mehr als eine Perſon gehören. Wenn daher der Befehl auch in Haleh's Beiſein gegeben und durch wenigſtens ein halbes Dutzend jugendlicher Boten an Tante Chloe überbracht worden war, ſo ließ dieſe doch nur einige mürriſche Laute vernehmen, warf den Kopf auf und unternahm Alles⸗ was zu ihrem Amte gehörte, auf ungewöhnlich gemächliche Weiſe.
Aus dem einen oder dem andern Grunde ſchien unter der Dienerſchaft im Allgemeinen die Idee zu herrſchen, daß die Miſſis über eine Verzögerung nicht beſonders erzürnt ſein würde, und es war wunderbar, welche Menge von Un⸗ fällen ſich beſtändig ereigneten, um den gewöhnlichen Lauf der Dinge über ſein Maaß hinaus zu dehnen.
Ein unglückſeliger Schlingel warf die Bratenbrühſchüſſel um und dann mußte neue mit gehöriger Sorgfalt und Förmlichkeit gemacht werden, wobei
Tante Chloe mit halsſtarriger Feſtigkeit die Aufſicht führte und auf alle Ein⸗


