Druckschrift 
Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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Nach einiger Zeit gelangten ſie an ein dicht bewaldetes Stück Landes, durch welches ein heller Bach rieſelte. Da das Kind über Hunger und Durſt klagte, kletterte ſie mit ihm über die Fenz, ſetzte ſich hinter ein großes Felsſtück, welches ſie nach dem Wege zu verſteckte, und gab ihm aus ihrem Päckchen ein Frühſtück. Der Knabe wunderte und härmte ſich, daß ſie nicht eſſen konnte, und als er ſeine Arme um ihren Hals ſchlang und ihr ein Stück von ſeinem Kuchen in den Mund zu ſchieben ſuchte, ſchien es ihr, als ob etwas in ihrer Kehle Auf⸗ ſteigendes ſie erſticken wolle.

„Nein, nein, liebſter Harrh, die Mutter kann nicht eher eſſen, als bis Du in Sicherheit biſt! Wir müſſen weiter gehen— immer weiter bis wir an den Fluß kommen.“

Und ſie eilte wieder auf die Straße und zwang ſich abermals regelmäßig und ruhig vorwärts zu gehen.

Sie war mehrere Meilen über die Gegend, wo man ſie perſönlich kannte, hinaus. Für den Fall, daß ſie auf irgend eine Perſon, die ſie kannte, ſtoßen ſollte, dachte ſie, daß die bekannte Güte der Familie an ſich ſchon jeden Ver⸗ dacht beſeitigen werde, indem man es für unwahrſcheinlich halten würde, daß ſie ein Flüchtling ſein könne. Da ſie ferner ſo weiß war, daß man ohne einekritiſche Betrachtung ihre farbige Abſtammung nicht zu erkennen vermochte, und ihr Kind ebenfalls die weiße Hautfarbe beſaß, ſo war es für ſie weit leichter, un⸗ beargwohnt durchzukommen.

In dieſer Idee hielt ſie um die Mittagszeit vor einem hübſchen Farmhauſe an um auszuruhen und etwas zum Mittageſſen für ihr Kind und ſich zu kaufen, da, als die Gefahr, je größer die Entfernung wurde, abnahm, die übernatürliche Anſpannung des Nervenſyſtems geringer wurde und ſie Müdigkeit und Hunger verſpürte.

Die freundliche und ſchwatzhafte Bäuerin ſchien Vergnügen daran zu fin⸗ den, daß Jemand zu ihr kam um mit ihr zu plaudern und nahm ohne weitere Nachfragen Eliza's Angabe auf, daß ſie„ein Stück weit gehe, um bei ihren Freunden eine Woche zu verleben,“ während dieſe in ihrem Herzen hoffte, daß es zur ſtrengen Wahrheit werden möge.

Eine Stunde vor Sonnenuntergang gelangte ſie müde und mit wunden Füßen, aber immer noch ſtarken Herzens in das Städtchen T. am Ohiv. Ihr erſter Blick war auf den Fluß geheftet, welcher wie der Jordan zwiſchen ihr und dem Kanaan der Freiheit auf der andern Seite lag.

Der Frühling hatte begonnen, der Fluß war angeſchwollen und trübe, und große Eisſchollen ſchwammen ſchwerfällig in dem hohe Wellen werfenden Fluſſe herab. InFolge der eigenthümlichen Bildung des Ufers auf der Kentucky⸗ ſeite, wo das Land einen großen Vorſprung in das Waſſer hinausmachte, war das Eis in großen Quantitäten feſtgehalten worden und der ſchmale Kanal, welcher um die Krümmung ſtrömte, mit übereinander gehäuften Eisſchollen an⸗ gefüllt, die ſo eine Schranke für das herabkommende Eis bildete, welches ſich„ feſtſetzte und ein großes, bewegliches, den ganzen Fluß füllendes und ſich faſt bis an das Kentuckyufer erſtreckende Floß bildete..

Eliza ſtand am Ufer, betrachtete einen Augenblick das ungünſtige Ausſehen der Dinge, welches, wie ſie ſofort einſah, das gewöhnliche Fährboot von ſeiner Thätigkeit abhalten mußte und begab ſich darauf in ein kleines Wirthshaus am Ufer, um Nachfragen anzuſtellen.

Die Wirthin, welche am Feuer mit Braten und Kochen zur Abendmahlzeit beſchäftigt war, wendete ſich mit einer Gabel in der Hand um, als Eliza's lieh⸗ liche, klagende Stimme ertönte.

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