Druckschrift 
Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

28

lange Soli hatte hören laſſen, war die Folge die, daß er und ſeine wackere Frau jetzt zwiſchen zwölf und ein Uhr noch nicht ſchliefen.

„Guter Gott, was iſt das?“ ſagte Tante Chloe, indem ſie aufſprang und haſtig den Vorhang hinwegzog.„So wahr ich lebe, es iſt Lizzy. Ziehe ſchnell Deinen Rock an, Alter; da iſt auch der alte Bruno und ſchnobbert an der Thür.— Was in aller Welt hat das zu bedeuten? Ich werde ſogleich die Thür öffnen.“

Und ſie begleitete die Worte mit der That, die Thür flog auf und der Schein, des in der Eile von Tom angezündeten Talglichtes fiel auf das verſtörte Geſicht und die dunkeln wilden Augen des Flüchtlings⸗

„Gott behüte uns! man erſchrickt, wenn man Dich anſieht. Biſt Du krank oder was iſt Dir widerfahren?“

„Ich laufe davon Onkel Tom und Tante Chloe. Ich ſchaffe mein Kind fort, der Herr hat es verkauft.“

„Es verkauft!“ wiederholten Beide, indem ſie entſetzt ihre Hände erhoben.

„Ja, es verkauft,“ antwortete Eliza feſt,„und ich habe mich heute Abend in den Alkoven an der Thür der Herrin geſchlichen und gehört, wie der Herr der Herrin ſagte, daß er meinen Harrh und Dich, Onkel Tom, an einen Händler verkauft habe; und daß er morgen früh davon reiten und daß der Mann im Laufe des Tages Beſitz nehmen werde.“

Tom hatte während dieſer Worte mit erhobenen Händen und weit offenen Augen wie ein Träumender dageſtanden; langſam und allmälig ſank er, als ihm der Sinn klar wurde, auf ſeinen alten Stuhl und ließ den Kopf auf ſeine Knie fallen.

„Gott ſei uns gnädig!“ rief Tante Chlve,„o, es ſcheint gar nicht, als ob es wahr wäre. Was hat er gethan, daß der Herr ihn verkauft?“

„Er hat nichts gethan, es iſt deshalb nicht, der Herr möchte ihn nicht ver⸗ kaufen und die Frau— ſie iſt immer gut; ich habe ſie für uns bitten und flehen hören, aber er ſagte ihr, daß es nichts nütze, daß er in der Schuld des Mannes ſei, und daß der Mann die Macht über ihn habe, und wenn er ihn nicht rein bezahle, ſo würde er endlich das Gut und die ganzen Leute verkaufen und hinwegziehen müſſen. Ja, ich habe ihn ſagen hören, daß er keine Wahl zwiſchen dem Verkauf dieſer Beiden und dem Verkauf Aller habe. Der Mann treibe ihn zu ſtark, ſagt der Herrz er ſagt, es thue ihm leid, aber ach, die Herrin! — Ihr hättet ſie ſprechen hören ſollen; wenn ſie nicht eine Chriſtin und ein Engel iſt, ſo hat es nie einen gegeben. Ich bin ein gottloſes Mädchen, daß ich ſie ſo verlaſſe, aber ich kann nicht anders. Sie hat ſelbſt geſagt, daß eine Seele mehr werth ſei, als die ganze Welt und der Knabe hat eine Seele und wer weiß, was daraus wird, wenn ich ihn fortſchaffen laſſe. Es muß recht ſein, aber wenn es nicht recht iſt, ſo möge mir der Herr verzeihen, denn ich kann mich nicht enthalten es zu thun.“

„Nun, Alter,“ ſagte Tante Chloe,„warum gehſt Du nicht auch? Willſt Du warten bis Du den Fluß hinab geſchleppt wirſt, wo man die Neger mit ſchwerer Arbeit und Hunger umbringt? Ich würde jeden Tag lieber ſterben, als dorthin gehen. Du haſt noch Zeit, mache Dich mit Lizzy auf und davon. Du haſt einen Paß, um nach Belieben zu kommen und zu gehen. Mache Dich fer⸗ tig, ich will Deine Sachen einpacken.“

Tom erhob langſam ſeinen Kopf, ſah ſich trübe aber nuhig un ſagte:

„Nein, nein, ich gehe nicht; Eliza mag gehen, ſie hat das Recht dazu; ich würde nicht Nein dazu ſagen, es iſt wider ihre Natur, hier zu bleiben, aber Ddu haſt gehört, was ſie geſagt hat. Wenn entweder ich verkauft werden muß vder