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alle Uebrigen auf dem Gute, und wenn ſonſt Alles verloren geht, nun ſo will ich mich verkaufen laſſen. Ich werde es wohl ſo gut ertragen koͤnnen, wie die Uebrigen,“ fügte er hinzu, während etwas, einem Schluchzen ähnliches krampf⸗ haft ſeine breite, rauhe Bruſt erſchütterte.„Der Herr hat mich ſtets auf mei⸗ nem Poſten gefunden— er wird es ſtets thun! Ich habe ſein Vertrauen nie getäuſcht und meinen Paß nie wider mein Wort angewendet, und werde es auch nicht thun. Es iſt beſſer, wenn ich allein gehe, als wenn das Gut und Alles was darauf iſt, verkauft werden muß. Der Herr iſt nicht zu tadeln, Chloe, und er wird für Dich ſorgen und für die armen—“„
Hier wendete er ſich nach dem Bettkaſten voll kleiner Wollföpfe um und ſeine Stimme erſtickte; er lehnte ſich über den Rücken und bedeckte ſein Geſicht mit ſeinen großen Händen. Schweres, dumpfes, lautes Schluchzen erſchütterten ihn und große Thränen quollen zwiſchen ſeinen Fingern hindurch auf den Fuß⸗ boden— ſolche Thränen, wie ſie in den Sarg fallen, wo Ihr erſtgeborner Sohn lag, gerade ſolche Thränen, Dame, wie Sie ſie vergoſſen, als Sie das Röcheln Ihres ſterbenden Säuglings hörten— denn, Herr, er war ein Mann, und Sie ſind auch nicht mehr als ein ſolcher, und Dame, wenn Sie auch in Seide und Juwelen gekleidet find, ſo ſind Sie doch nur ein Weib und in den großen Nöthen und Sorgen des Lebens fühlen wir Alle nur Einen Schmerz.
„Aber nun,“ ſagte Eliza unter der Thür,„ich habe meinen Mann erſt heute Nachmittag noch geſehen und ahnte damals nicht, was kommen würde; man hat ihn bis auf's Aeußerſte getrieben und er hat mir heute geſagt, daß er entlaufen würde. Verſucht es, ihm wiſſen zu laſſen, wenn Ihr könnt, ſagt ihm, wie ich gegangen bin und weshalb ich gegangen bin, und ſagt ihm, daß ich Canada zu finden ſuchen werde. Ihr müßt ihm meine beſten Wünſche mit⸗ theilen und ihm ſagen, wenn ich ihn nicht wiederſehen ſollte,“— ſie wendete ſich ab und kehrte ihnen einen Augenblick den Rücken zu, und fügte dann mit erſtickter Stimme hinzu:„ſagt ihm, daß er ſo gut ſein ſoll, als er kann, damit er mich wo möglich im Himmelreich trifft.“
„Ruft Bruno herein,“ fügte ſie hinzu,„ſchließt das arme Thier ein, es darf nicht mit mir gehen.“
Noch einige letzte Worte und Thränen, noch einige einfache Segenswünſche und ſie faßte ihr verwundertes und erſchrecktes Kind in ihre Arme und eilte geräuſchlos hinweg.
6. Die Entdeckung.
Mr. und Mrs. Shelby verſanken nach ihrer langen Diseuſſion nicht ſo⸗ leich in Schlummer und ſchliefen in Folge davon am nächſten Morgen etwas länger als gewöhnlich.
„Ich möchte wiſſen, wo Eliza ſteckt“ ſagte Mrs. Shelby, nachdem ſie wiederholt aber ohne Wirkung geklingelt hatte.
Mr. Shelby ſtand vor ſeinem Toiletteſpiegel und ſchärfte ſein Raſirmeſſer, und in dieſem Augenblicke öffnete ſich die Thür und ein farbiger Knabe trat mit ſeinem Raſirwaſſer ein.
„Andy,“ ſagte ſeine Herrin,„geh einmal an Eliza's Thür und ſage ihr, daß ich dreimal nach ihr geklingelt habe. Das arme Ding,“ fügte ſie mit einem tiefen Seufzer hinzu.
Andy kehrte bald mit vor Erſtaunen weit offenen Augen zurück. „Gott, Miſſis, Lizy's Schubkäſten ſind alle offen und ihre Sachen liegen überall umher, und ich glaube, daß ſie ſo eben ausgeräumt hat.“


