—
20
indem ſie ſich unter dem Tiſche auf dem Boden umherwälzten, einander kitzelten und von Zeit zu Zeit das Kleinſte an den Zehen zupften..
„O geht mir weg,“ ſagte die Mutter, welche dann und wann ohne beſon⸗ ders zu zielen, mit dem Fuße unter den Tiſch ſtieß, wenn die Bewegung zu auf⸗ rühreriſch wurde; könnt ihr Euch nicht anſtändig betragen, wenn weiße Leute kommen, um Euch zu beſuchen. Wollt Ihr denn gar nicht aufhören? Paßt auf, daß ich Euch nicht um ein Knopfloch tiefer zuknöpfe, wenn Mr. George fort
ein wird.“
Es iſt ſchwer zu ſagen, welche Idee unter dieſer furchtbaren Drohung ver⸗ borgen lag, aber ſo viel iſt gewiß, daß ihre ſchaurige Undeutlichkeit auf die jungen Sünder, an die ſie gerichtet war, nur einen ſehr geringen Eindruck her⸗ vorzubringen ſchienen.
„Du lieber Gott,“ ſagte Onkel Tom,„ſie ſind ſo voll Kitzel, daß ſie ſich nicht laſſen können.“
Hier krochen die Jungen mit ſyrupbedeckten Händen und Geſichtern unter dem Tiſche hervor und begannen das Schvoßkind heftig zu küſſen.
„Marſch fort,“ ſagte die Mutter, indem ſie ihre wolligen Köpfe hinweg⸗ ſchob,„Ihr werdet Alle zuſammenkleben und nicht wieder los kommen, wenn Ihr es auf die Weiſe thut. Geht an den Brunnen und waſcht Euch,“ ſagte dieſe, ihre Mahnung durch einen Schlag unterſtützend, welcher äußerſt gefährlich klang, der aber die Jungen nur zu um ſo lauterem Lachen brachte, als ſie eilig über einander hinweg aus der Thür ſtürzten, und ſobald ſie im Freien waren, in überſtrömender Luſtigkeit zu kreiſchen anfingen.
„Haben ſie je ſo ungezogene Jungen geſehen?“ ſagte Tante Chlve mit einiger Selbſtgefälligkeit, indem ſie ein altes für dergleichen Fälle beſtimmtes Handtuch zum Vorſchein brachte, aus der zerbrochenen Theekanne ein wenig Waſſer darauf ſchüttete und den Syrup von dem Geſicht des kleinen Mädchens abzureiben begann. Sobald ſie es glänzend abpolirt hatte, ſetzte ſie es auf Tom's Schooß, während ſie geſchäftig das Speiſegeſchirr hinwegräumte. Das Kind benutzte die Zwiſchenzeit dazu, um Tom an der Naſe zu zupfen, ſein Geſicht zu kratzen und die dicken Händchen in ſeinem Haar zu vergraben, welche letztere Operation demſelben beſonders Vergnügen zu machen ſchien.
„Iſt ſie nicht eine vorwitzige Dirne?“ ſagte Tom, indem er ſie von ſich ab⸗ hielt, um ſie vollſtändig zu beſichtigen; und hierauf erhob er ſich, ſetzte ſie auf ſeine breite Schulter und begann mit ihr umherzuſpringen und zu tanzen, wäh⸗ rend Mr. George mit ſeinem Taſchentuch nach ihr ſchnippte und Moſes und Peter, welche jetzt zurückgekehrt waren, hinter ihr her brüllten wie die Bären, bis endlich Tante Chloe behauptete, daß ſie ihr mit ihrem Lärm den Kopf ab⸗ riſſen. Da ihrer eignen Angabe zufolge dieſe chirurgiſche Operation in der Hütte täglich vorkam, verminderte die Behauptung die Luſtigkeit nicht im Geringſten, bis ſich Alle ruhig geſchrieen und geſprungen und getanzt hatten.
„Ich will hoffen, daß Ihr jetzt endlich fertig ſeid,“ ſagt welche mittlerweile einen einfachen Kaſten mit e ſe⸗ Moſes und Peter, legt Euch hinein, wir werden eine kleine Gemeinde hier haben.
„O, Mutter, wir haben keine Luſt, wir möchten gern die Verſammlung mit anſehen; es iſt ſo kurios; wir haben es gern.“
„Nun, Tante Chloe, ſchiebe das Bett hinweg und laß ſie aufbleiben,“ ſagte Mr. George entſchieden, indem er der rohen Maſchine einen Stoß gab.
Tante Chloe, die auf dieſe Weiſe den Schein gerettet hatte, ſchien höch⸗
—


