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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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mal die Augen aufreißen. Er ſoll ſo ſtark eſſen, daß er es in vierzehn Tagen nicht verdauen kann.“

„Ja, ja, gewiß,“ ſagte Tante Chloe entzückt,„Sie werden ſchon ſehen. Gott, wenn man nur an unſere Diners denkt! Wiſſen Sie noch, die große Hühnerpaſtete, die ich machte, als wir dem General Knor das Diner gaben? Es war nahe daran, daß ich wegen der Rinde mit der Miſſis in Streit gerieth. Ich weiß nicht, was ſich die Damen mitunter in den Kopf ſetzen; aber manchmal, wenn man ſo zu ſagen die ſchwerſte Verantwortlichkeit auf ſich liegen hat, und ernſtlich beſchäftigt iſt, wählen ſie gerade die Zeit, um Einem im Wege umher⸗ zulaufen und ſich einzumiſchen! Die Miſſis verlangte, daß ich Dies auf jene Weiſe und Jenes auf dieſe Weiſe thun ſolle, und endlich wurde ich böſe und ſagte:„Nun, Miſſis, ſehen Sie nur einmal Ihre ſchönen weißen Hände an, mit den langen Fingern und den funkelnden Ringen, wie meine weißen Lilien, wenn der Thau darauf liegt, und dann meine großen, ſchwarzen, dicken Hände⸗ Nun, denken Sie nicht, daß der liebe Gott mich dazu geſchaffen haben muß, den Paſtetenteig zu machen, und Sie, um im Geſellſchaftszimmer zu bleiben. Ja, ſo unverſchämt war ich, Mr. George.“

„Und was ſagte meine Mutter?“ fragte George.

„Was ſie ſagte? Ei, ſie lachte mit ihren Augen, mit ihren großen, hüb⸗ ſchen Augen und ſagte:„Nun, Tante Chloe, ich denke, daß Du rechthaſt, ſagte ſie, und dann ging ſie in das Geſellſchaftszimmer. Sie hätte mir eines über den Kopf geben ſollen, weil ich ſo unverſchämt war, aber ſo iſt es. Ich kann in der Küche mit den Damen nichts anfangen.“

„Ja, das Diner haſt Du gut eingerichtet— ich weiß noch, daß Alle ſo ſagten“entgegnete George.

„Nicht wahr? ich ſtand an jenem Tage hinter der Speiſezimmerthür und habe ich nicht geſehen, wie der General ſeinen Teller dreimal hinreichte, um ſich noch mehr von der Paſtete geben zu laſſen? Und er ſagte, Sie müſſen eine ganz ungewöhnlich gute Köchin haben, Mrs. Shelby! Gott! ich hätte mich todt lachen können.“

„Und der General weiß was Kochen heißt,“ fügte Tante Chloe hinzu, in⸗ dem ſie ſich ſtolz aufrichtete. Ein netter Mann, der General! Er ſtammt aus einer von den gllererſten Familien in Altvirginien. Er weiß, was gut iſt, ſo gut wie ich. Ja, das weiß der General. Sehen Sie, Mr. George, es giebt in allen Paſteten Feinheiten, aber nicht Jeder weiß, was ſie ſind, oder ſein ſollten. Aber der General weiß es⸗ Ich erkannte es an den Bemerkungen, die er machte. Ja, er weiß, worin die Feinheiten liegen.“

Jetzt war George an dem Punkte angelangt, auf welchen unter ungewöhn⸗ lichen Umſtänden ſelbſt ein Knabe kommen kann, wo er nämlich keinen Biſſen mehr eſſen konnte und daher Muße hatte, die Reihe von Wollköpfen und glän⸗ zenden Augen zu beobachten, welche ſeine Operationen hungrig aus der ent⸗ gegengeſetzten Ecke betrachteten.

„Hier Moſes, hier Peter!“ ſagte er, indem er große Stücken abbrach und den Kindern zuwarf.„Nicht wahr, Ihr wollt auch etwas haben? Nun, Tante Chloe, backe ihnen doch auch einige Kuchen.“

Und George und Tom begaben ſich auf einen bequemen Sitz an der Kamin⸗ ecke, während Tante Chloe, nachdem ſie einen hübſchen Haufen von Kuchen ge⸗ backen hatte, ihr Kleinſtes auf den Schvoß nahm und abwechſelnd deſſen Mund und ihren eigenen zu füllen und Stücken an Moſes und Peter zu vertheilen be⸗ gann, welche Letzteren die ihren mit beſonderem Behagen zu verzehren ſchienen,

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