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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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„Nun, ich habe Dich aber doch ſagen hören,“ meinte George,„daß Jinny eine ganz leidliche Köchin ſei.“—

„Das habe ich auch geſagt,“ antwortete Tante Chloe;„ich kann das wohl

ſagen. Eine gute, einfache und gemeine Küche kann Jinny führen. Sie macht gutes Brod— ihre Kartoffeln ſind gut gekocht— ihre Maiskuchen aber ſind nichts Ertraes, gar nichts Ertraes, das ſind Jinny's Kornkuchen gar nicht; aber

ſie ſind recht hübſch. Du lieber Gott, wenn ſie an die höhete Kochkunſt kommt,

was kann ſie aber da thun. Sie macht freilich Paſteten— ſie macht ſie aller⸗ dings, aber was für eine Rinde dazu. Kann ſie wohl den echten Blätterteig machen, der Einem im Munde zergeht und aufläuft wie eine Kugel? Ich bin

einmal hinüber gegangen, als Miß Mary ſich verheirathete und Jinny zeigte

mir die Hochzeitspaſteten. Sie wiſſen, Mr. George, daß Jinny und ich gute Freunde find. Ich ſagte nichts, aber gehen Sie weg, Mr. George, ich könnte eine Woche lang kein Auge zuthun, wenn ich ſolche Paſteten gemacht hätte. Ei, ſie waren gar nichts.“

„Jinny hat aber doch wohl gedacht, daß ſie ausgezeichnet gut ſeien,“ ſagte eorge.

„Sie hat es gedacht! freilich hat ſie es! Sie hat ſie mir in aller Unſchuld

gezeigt. Sehen Sie, die Sache iſt die, daß es Jinny nicht beſſer wei ß. Gott,

die Familie iſt gar nichts. Man kann es nicht von ihr erwarten. Es iſt nicht ihre Schuld. Ach, Mr. George, Sie wiſſen nicht halb, wie gut Sie es haben und wie gut Ihre Familie iſt.“

Hier ſeufzte Tante Chloe und blickte bewegt zum Himmel.

„Wahrhaftig, Tante Chloe; ich kenne alle meine Paſteten⸗ und Pudding⸗ Vorzüge,“ ſagte George.„Frage nur Tom Lincvn, ob ich mich nicht jedesmal, gegen ihn darauf berufe.“

Tante Chloe lehnte ſich in ihren Stuhl zurück und gab ſich einem herz⸗ lichen Gelächter über dieſen Witz des jungen Maſter hin. Sie lachte, daß die Thränen über ihre ſchwarzen glänzenden Wangen liefen und gab dieſer Leibes⸗ übung dadurch Abwechſelung, daß ſie Mr. George ſpaßhaft ſchlug und in die Seite ſtieß und ihm ſagte, daß er weggehen ſolle und daß er ein Böſewicht ſei— daß er ſie gewiß noch einmal umbringen würde, und ließ zwiſchen einer jeden von dieſen grauſigen Prophezeihungen ein Gelächter hören, welches mit jedem Male länger und heftiger wurde, ſo daß George wirklich zu denken begann, daß er ein ſehr gefährlich witziger Burſche ſei und daß es ihm gezieme nicht ſo ſcherz⸗ haft zu reden, als er könne.

„Sie haben es alſo Tom geſagt? o Himmel, was die Jugend nicht thut! Sie haben ſich über Tom luſtig gemacht? o Gott! Mr. George, Sie könnten einen Hirſchkäfer zum Lachen bringen.“

„Ja,“ antwortete George.„Ich habe immer zu ihm geſagt, Tom, Du ſollteſt Tante Chloes Paſteten ſehen, die ſind von der rechten Sorte.“

„Wie ſchade, daß es Tom nicht gekonnt hat,“ ſagte Tante Chloe, auf de⸗ ren menſchenfreundliches Herz die Idee der Unwiſſenheit Toms einen ſtarken Eindruck zu machen ſchien.„Sie ſollten ihn einmat hierher zum Eſſen ein⸗ laden, Mr. George,“ fügte ſie hinzu,„es würde ſehr hübſch von Ihnen ſein. Wiſſen Sie, Mr. George, Sie ſollten ſich wegen Ihrer Vorzüge über keinen An⸗ deren ſtellen, weil alle unſere Vorzüge uns von oben her gegeben ſind. Wir müſſen das ſtets im Sinne behalten,“ meinte Tante Chloe, indem ſie ein äußerſt frommes Geſicht machte.

„Nun, ich gedenke Tom künſtige Woche einmal hierher einzuladen,“ ſagte George.„Mache Deine Sache ſo hübſch Du kannſt, Tante Chloe, der ſoll ein⸗