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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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Gabel hielt, zu beſtreichen, unterbrach und den jungen Mr. George mit Stolz betrachtete.„Wie er ſchreiben kann! und leſen dazu! und dann, daß er des Abends hierher kommt und uns ſeine Lektionen vorlieſ't— es iſt ungeheuer intereſſant.“

„Aber Tante Chloe, ich bin ungeheuer hungrig,“ ſagte George,„iſt der Kuchen in der Form noch nicht bald fertig?“

„Beinahe ganz, Mr. George,“ ſagte Tante Chloe, indem ſie den Deckel erhob und hineinſchaute.„Er bräunt ſich wunderſchön; es iſt ein liebliches Braun. O, darin kommt mir keine gleich. Die Miſſis ließ neulich Sally ver⸗ ſuchen, einen Kuchen zu backen, um es ihr zu lernen, wie ſie ſagte. O, gehen Sie weg, Miſſis, ſagte ich, es thut mir wirklich weh, gute Speiſen auf die Weiſe verderben zu ſehen. Der Kuchen iſt nur auf der einen Seite aufgegangen— er hat kein Schick und ſieht eher aus wie mein Schuh.— Gehen Sie weg!“

Und mit dieſem Ausbruche der Verachtung gegen dieUnerfahrenheit Sally's nahm Tante Chloe den Deckel von der Kuchenform und ließ einen gut gebackenen Biscuitkuchen erblicken, deſſen ſich kein Stadtzuckerbäcker zu ſchämen gebraucht hätte. Dieſer war offenbar der Mittelpunkt des Schmauſes und Tante Chloe begann ſich jetzt geſchäftig den übrigen Theilen des Abendeſſens zuzuwenden.

„Marſch da, Moſes und Peter, aus dem Wege, ihr Nigger! geh weg Polly, mein Honigkind! Die Mama wird ihrem Kindchen bald etwas geben. Nun, Mr. George, legen Sie die Bücher bei Seite und ſetzen Sie Sich zu meinem Alten, ich will die Bratwürſte vornehmen, und der erſte Roſt voll Maiskuchen ſoll im Handumdrehen auf den Tellern ſein.“

„Ich habe im Hauſe zu Abend eſſen ſollen,“ ſagte George,„aber ich wußte zu gut, was ſchmeckt, um das zu thun, Tante Chloe.“

„Das wußten Sie— das wußten Sie, Honigkind,“ ſagte Tante Chlve, die jetzt die dampfenden Maiskuchen auf ſeinem Teller häufte.„Sie wußten, daß Ihr altes Tantchen das Beſte für Sie bereiten würde. O, das weiß Keiner ſo gut— gehen Sie weg!“

Und hiermit gab die Negerin George einen ſcherzhaften Stoß mit ihrem Finger in die Seite und wendete ſich geſchäftig wieder zu ihrem Roſte.

„Nun an den Kuchen,“ ſagte R George, ſobald ſich die Thätigkeit des Roſtdepartements einigermaßen gelegt hatte und hiermit ſchwang das Bürſch⸗ chen ein großes Meſſer über den erwähnten Artikel.

„Gott behüte Sie, Mr. George!“ rief Tante Chloe, indem ſie ihm ſchnell den Arm zurückhielt.„Sie wollen ihn doch nicht mit dem großen ſchweren Meſſer ſchneiden? Sie würden Alles niederdrücken— den hübſchen Auflauf ganz verderben. Hier habe ich ein dünnes, altes Meſſer, das ich dazu immer ſcharf halte. Da ſehen Sie— es geht ſo leicht auseinander wie eine Feder. Eſſen Sie nur zu— Sie werden nicht leicht etwas Beſſeres finden.“

„Tom Lincon ſagt,“ ſprach George mit vollem Munde,„daß ſeine Jinny eine beſſere Köchin ſei als Du.“

„Die Lincon's ſind ganz und gar nichts Beſonderes,“ ſagte Tante Chloe verächtlich;„ich meine, wenn man ſie neben unſere Leute ſetzt; ſie ſind ganz reſpektable Leute in einer gemeinen Weiſe, was aber die Eleganz betrifft, ſo haben ſie noch gar nicht angefangen, eine Idee davon zu erhalten. Wie kann man Mr. Lincon neben Mr. Shelby ſtellen! Guter Gott! und Miſſis Lincon! Kann ſie wohl in ein Zimmer rauſchen, wie meine Miſſis,— ſo großartig, wiſſen Sie!— O, gehen Sie weg, reden Sie mir nicht von den Lincon's!“ Und Tante Chloe warf den Kopf auf, als ſei ſie eine Perſon, die hoffent⸗ lich die Welt kennt.

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