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Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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geſehen haben. Von der ſchützenden Fürſorge ihrer Herrin beſchirmt, hatte Eliza ihre Frauenreife erlangt, ohne auf die Verſuchungen zu ſtoßen, welche die Schönheit für eine Sklavin zu einem ſo verderblichen Erbtheil machen; ſie war an einen begabten und talentvollen jungen Mulatten verheirathet, welcher als Sklave auf einem benachbarten Gute arbeitete und den Namen George Harry's führte.

Dieſer junge Mann war von ſeinem Herrn zur Arbeit in einer Sacktuch⸗ fabrik vermiethet worden, wo er wegen ſeiner Geſchicklichkeit und ſeines Scharf⸗ ſinns als der erſte Arbeiter betrachtet wurde. Er hatte eine Maſchine zur Reinigung des Hanfes erfunden, welche, wenn man die Erziehung und die Umſtände des Erfinders in Betracht nahm, eben ſo großes mechaniſches Genie bewies, wie Whitneh's BaumwollenReinigungsmaſchine.

Er beſaß eine hübſche Perſönlichkeit und gefällige Manieren und war in der Fabrik ein allgemeiner Günſtling. Trotzdem waren, da das Geſetz dieſen jungen Mann nicht als einen Menſchen, ſondern als ein Ding hetrachtete, alle dieſe höheren Geiſtesgaben der Herrſchaft eines gemeinen, engherzigen, tyran⸗ niſchen Herrn unterworfen. Dieſer hatte den Ruhm der Erfindung George's vernommen und war nach der Fabrik geritten, um zu ſehen, was jenes verſtän⸗ dige Hausthier angegeben habe und wurde von dem Fabrikherrn, der ihm zum nſ eines ſo werthvollen Sklaven Glück wünſchte, mit großem Enthuſiasmus empfangen.

George führte ihn in der Fabrik umher, zeigte ihm die Maſchinerie und ſprach in ſeinem Enthuſtasmus ſo fließend, hielt ſich ſo aufrecht, ſah ſo hübſch und mannhaft aus, daß ſein Herr ein unbehagliches Bewußtſein der Inferivrität zu empfinden begann. Wer hatte ſeinem Sklaven erlaubt, im Lande umher zu laufen, Maſchinen zu erfinden und in Geſellſchaft von Weißen den Kopf hoch zu tragen? Er wollte dem bald ein Ende machen; er wollte ihn zurücknehmen und ihn zum Hacken und Graben verwenden undſehen, ob er dann noch ſo umherſtolzieren würde. Der Fabrikherr und alle ſeine Arbeiter wurden daher in Erſtaunen verſetzt, als er plötzlich George's Lohn verlangte und ſeine Abſicht, ihn mit nach Hauſe zu nehmen, ankündigte.

Aber, Mr. Harrys, wendete der Fabrikherr ein,iſt es nicht etwas un⸗ erwartet?

Nun, wenn es das auch iſt, gehört der Mann nicht mir?

Wir würden gern die Vergütung erhöhen, Sir!

Darauf kommt es mir gar nicht an, Sir, ich habe es nicht noͤthig, ir⸗ gend einen von meinen Leuten zu vermiethen, wenn ich nicht will.

Aber, Sir, er ſcheint für dieſes Geſchäft beſonders begabt zu ſein.

Das will ich ſchon zugeben, er iſt nie beſonders zu irgend einer Arbeit begabt geweſen, an die ich ihn geſtellt habe.

Aber, bedenken Sie doch nur, daß er dieſe Maſchine erfunden hat! wen⸗ dete einer von den Arbeitern ſehr unzeitig ein.

Jawohl eine Maſchine zur Arbeitserſparniß, nicht wahr? Es wun⸗ dert mich nicht, daß er das erfunden hat, dazu iſt ein Nigger jederzeit gut; ſie ſelbſt arbeitserſparende Maſchinen! Nein, er ſoll ſich auf die Beine machen.

George hatte wie erſtarrt dageſtanden, als er ſein Urtheil ſo plötzlich von einer Gewalt, die, wie er wußte, unwiderſtehlich war, ausſprechen hörte. Er ſchlug ſeine Arme übereinander, preßte ſeine Lippen feſt zuſammen, aber in ſeiner Bruſt glühte ein Vulkan von bittern Gefühlen und ſendete Feuerſtröme durch ſeine Adern. Er athmete ſchwer und ſeine großen, dunkeln Augen blitzten wie

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