Druckschrift 
Onkel Tom's Hütte, oder Negerleben in den Sklavenstaaten von Amerika : nebst der neuen von der Verfasserin eigens für Europa geschriebenen Vorrede / von Harriet Stowe, geb. Beecher ; nach der zwanzigsten amerikanischen Auflage aus dem Englischen
Entstehung
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Nun, Du einfältiges Kind, wenn es nun ſi

D, Miſſis, denken Sie wirklich, daß der Herr meinen Harrh verkaufen würde? und das arme Geſchöpf warf ſich in ihren Stuhl zurück und ſchluchzte krampfhaft.

Ihn verkaufen! nein, Du thörichtes Mädchen, Du weißt, daß Dein Herr nie mit den ſüdlichen Händlern Geſchäfte macht und nie einen von ſeinen Dienern verkaufen wird, ſo lange ſie ſich gut betragen. Ei, Du einfältiges Kind, wer denkſt Du könnte Deinen Harry kaufen wollen? Denkſt Du, daß die ganze Welt ſo aufihn verſeſſen iſt, wie Du, Du Gänschen? Komm, erheitere Dich und heftele mein Kieid zu ſo, jetzt bringe mein Haar in die hübſche Flechte, die Du neulichſt gelernt haſt und horche nicht mehr an den Thüren.

Nun aber, Miſſis, Sie würden doch nie Ihre Einwilligung geben, wenn wenn

Unſinn, Kind! natürlich würde ich es nicht. Weshalb ſprichſt Du ſo?

ich würde eben ſo gern eines von meinen eignen Kindern verkaufen, aber wahr⸗ haftig, Eliza, Du biſt viel zu ſtolz auf das Bürſchchen. Es kann kein Mann ſeine Naſe zur Thüre herein ſtecken, ohne daß Du denkſt, daß er gekommen ſei, um ihn zu kaufen.

Von dem zuverſichtlichen Tone ihrer Herrin wieder ermuthigt, leiſtete ihr Eliza über ihre eigenen Befürchtungen lachend, bei ihrer Tpilette behenden und geſchickten Beiſtand.

Mrs. Shelby war ein, ſowohl in intellektueller, wie ir moraliſcher Be⸗ zichung, hochſtehendes Weib; ſie verband mit der angeborenen Gutherzigkeit und dei Edelmuth, welche ſo oft den kentuckyſchen Frauen eigen ſind, ein hohes moraliſches und religiöſes Gefühl und Grundſätze, welche mit großer Energie und Geſchicklichkeit zu praktiſchen Reſultaten geführt wurden. Ihr Gatte, der keine beſonderen Anſprüche auf Religioſität machte, verehrte und ſchätzte die Feſtigkeit der ihren, und empfand wohl ſogar einige Ehrfurcht vor ihren An⸗ ſichten. Nach ſeinem Geſpräch mit dem Händler lag die ſeinen Geiſt am ſchwerſten bedrſickende Laſt in der vorausgeſehenen Nothwendigkeit, ſeiner Frau das beabſichtigte Auskunftsmittel mitzutheilen und dem Widerſtande entgegen⸗ zutreten, welchen er mit Sicherheit und mit gutem Grunde erwartete.

Mrs. Shelby, die ſich über die Geldverlegenheiten ihres Gatten in völliger Unwiſſenheit befand und nur die allgemeine Güte ſeines Charakters kannte, war in der Ungläubigfeit, womit ſie Eliza's Verdacht begegnet hatte, vollkom⸗ men aufrichtig; in der That ſchlug ſie ſich die Sache, ohne weiter daran zu denken, aus dem Sinne, und da ſie eben mit Vorbereitungen zu einem Abend⸗ beſuche beſchäftigt war, ſo entfiel ihr dieſelbe völlig.

2. Die Mutter.

Eliza war ſchon als Kind in das Haus ihrer Herrin gekommen, und als ihr Günſtling aufgezogen worden.

Derjenige, welcher den Süden bereiſt hat, muß oft die eigenthuͤmliche Politur, die Sanftheit der Stimme und des Weſens bemerkt haben, welche in vielen Fällen eine beſondere Gabe der Quadronen und MVulattenfrauen zu ſein pflegt. Dieſe natürliche Anmuth vereinigt ſich bei den Quadronen häufig mit der blendendſten Schönheit und faſt ſtets mit einem einnehmenden und ange⸗ nehmen perſönlichen Aeußeren. Unſere Beſchreibung Eliza's iſt keine Phanta⸗ ſieſkizze, ſondern der Erinnerung entnommen, da wir ſie vor Jahren in Kentucky