Sorte iſt. Ich habe ihm ſeitdem Alles, was ich beſitze— Geld, Haus, Pferde — anvertraut, und ihn unbehindert im Lande umhergehen laſſen, und ihn in Allem treu und rechtſchaffen befunden.“
„Manche Leute glauben nicht, daß es fromme Neger giebt, Shelby,“ ſagte Haley mit einer Handbewegung, um ſeinen Worten Nachdruck zu verlei⸗ hen;„aber ich thue es. Ich hatte unter der letzten Truppe, die ich nach Or⸗ leans brachte, einen Kerl— es war ſo gut wie eine Predigt, die Kreatur beten zu hören, und er war ſanft und ruhig wie Keiner. Er hat mir auch ein hüb⸗ ſches Sümmchen eingebracht, denn ich hatte ihn wohlfeil von einem Manne gekauft, der ſein Gut verkaufen mußte und erhielt Sechshundert für ihn. Ja, ich betrachte die Religion bei einem Neger als eine werthvolle Sache, wenn ſie die echte unverfälſchte Waare iſt.“
„Nun, Tom hat die echte Waare, wenn ſie je ein Menſch beſeſſen hat,“ entgegnete Jener.„Erſt im vergangenen Herbſte noch habe ich ihn allein nach Cineinnati gehen laſſen, um dort Geſchäfte für mich abmachen zu laſſen und fünfhundert Dollars mitzubringen. Tom, ſagte ich zu ihm, ich vertraue Dir,
weil ich glaube, daß Du ein Chriſt biſt— ich weiß, daß Du mich nicht keigen ch
wirſt. Tom kam auch richtig wieder— ich wußte, daß er es thun würde. habe gehört, daß einige gemeine Kerle zu ihm geſagt hätten;„Tom, warum machſt Du Dich nicht nach Canada auf den Weg?“—„O der Herr hat mir vertraut, und ich kann es nicht thun!“ Man hat mir die ganze Geſchichte er⸗ zählt. Es thut mir leid, mich von Tom zu trennen, das muß ich geſtehen. Sie ſollten ihn für die ganze Schuld annehmen und Sie würden es thun, Haley, wenn Sie ein Genigen hätten.“
„Nun, ich habe ſo viel Gewiſſenhaftigkeit, wie ein Geſchäftsmann nur irgend behalten kann— ein wenig um darauf zu ſchwören, wiſſen Sie!“ ſagte der Handelsmann ſcherzhaft;„und ich bin bereit, Alles, was ſich mit der Ver⸗ nunft verträgt, zu thun, um meinen Freunden gefällig zu ſein; aber das hier, ſehen Sie, wäre doch ein wenig zu ſtark für mich— ein wenig zu ſtark.“
Der Handelsmann ſtieß einen beſchaulichen Seufzer aus und ſchenkte ſich noch ein Glas Branntwein ein.—
„Nun, Haley, wie wollen Sie denn das Geſchäft machen,“ ſagte Mr. Shelby nach einer unbehaglichen Pauſe.
„Haben Sie denn keinen Jungen oder kein Mädchen, das Sie mit Tom in den Kauf geben könnten?“
„Hm!— ich habe kein Kind, das ich gern weggeben möchte. Die Wahr⸗ heit zu geſtehen, iſt es nur die harte Nothwendigkeit, die mich überhaupt zum Verkaufen geneigt macht. Es iſt mir zuwider, mich von irgend einem meiner Leute zu trennen, das können Sie mir glauben.“
Hier öffnete ſich die Thür und ein kleiner vier⸗ bis fünfjähriger Quadron⸗ knabe trat in das Zimmer. Sein Aeußeres war auffallend ſchön und einneh⸗ mend; ſein ſchwarzes, ſeidenartiges Haar hing in ſchimmernden Locken um ſeine runden Grübchenwangen, während ein paar große, dunkle Augen voll Feuer und Weichheit unter den dichten, langen Wimpern hervorſchauten, als er keugierig ſpähend in das Gemach blickte. Ein buntes, ſorgfältig gemachtes
und nett angepaßtes Kleidchen von ſcharlachroth und gelb gewürfeltem Stoffe zeigte ſeine dunkle üppige Schönheit auf das Vortheilhafteſte und eine gewiſſe, mit Schüchternheit gemiſchte, komiſche Zuverſicht bewies, daß er gewohnt war, von ſeinem Herrn gehätſchelt und beachtet zu werden.
„Hollah, Fim Crow!“ rief Mr. Shelby, indem er pfiff und ihm eine Roſinen⸗Traube zuwarf,„da, heb' das auf!“


