menſchlichen Schoͤnheit an, oder ſind ſie nur der Ausdruck einer ſo gluͤcklich gewaͤhlten Na⸗ tur, daß ſie in dieſer Vollkommenheit ſelten wiederholt werden konnte? Das wuͤnſchte ich, Herr Abbe, gern aus Ihrem Munde zu hoͤren. Wenn Sie noch zu Ihrer Meinung etwas Be⸗ ſtimmtes uͤber die alte Schoͤnheit, die Sie ſo gut ſtudirt haben, hinzufuͤgen wollten, ſo wuͤr⸗ den Sie das Recht, das Sie an unſere Dank⸗ barkeit haben, noch ſehr vergroͤßern. Sie haben in Ihrer Geſchichte der Kuuſt mit einer Erha⸗ benheit des Styls und der Gedanken geſprochen, das wiſſen wir: aber da wir nun den Meiſter geleſen haben, wird es uns ſehr lieb ſein, wenn er ſich mit ſeinen Schuͤlern unterhalten wollte. Der Unterricht des beruͤhmten Winkelmann wuͤrde dann nicht vergeſſen werden, ſo wenig als ſeine Reiſe nach Wien, die tiefe Spuren in den Gemuͤthern zurucklaſſen wird.“
Der Gelehrte erroͤthete leicht, neigte ſich und erwiederte, von tiefem Stillſchweigen um⸗ geben:
„Der zweiten Aufforderung Ihrer Hoheit muß ich meiner Meinung nach ſogleich Genuͤge leiſten; denn ehe ich von materiellen Vorſtellun⸗ gen der Schoͤnheit zu reden anfange, geziemt


