270
„Und ich muß die ganze Größe ihrer Seele jetzt erſt kennen lernen, wo es zu ſpät iſt!“ ſeufzte Marius.„Ich war im Beſitz des koſtbarſten Edel⸗ ſteins und wußte es nicht.“—
Guſtavs letzte Worte machten ſtarken Eindruck auf den Kranken; er beſchäftigte ſich im Stillen fort und fort damit. Und eh einige Tage vergin⸗ gen, hatte er dem unſchuldigen Hannchen das Ge⸗ heimniß entlockt.
Die Umſtände, welche den Tod der Magiſterin herbeigeführt, hatten in der ganzen Umgegend un⸗ gemeines Aufſehen gemacht, und alle Welt hatte den Stab über den Pfarrer und die Oberſtin ge⸗ brochen. Malchens Eltern, welche beide ſchon ſeit längerer Zeit an Hektik litten, hatten ſich über die ihrer Tochter und beziehentlich auch ihnen zuge⸗ fügte Schande aufs Heftigſte alterirt; denn Mal⸗ chens Verbindung mit dem Pfarrer Marius war ihr höchſter Stolz und gewiſſermaßen die Summe ihres Lebensglücks geweſen. Aber wahrhaft zum Entſetzen hatte es beiden gereicht, wie ihre Tochter nicht nur den Pfarrer, ſondern auch die Oberſtin mit der wärmſten Beredſamkeit vertheidigt und jede


