229
„Stolze Seele, wie ganz durchſchau' ich Dich! Kryſtallreines Herz, wie blicke ich Dir auf den tiefſten Grund! Und glaubſt Du wirklich, daß ich mich von Dir an Großmuth beſchämen ließe?— Komm an mein Herz, ſüßes, edles, großes Weib! Du allein biſt des edlen großen Mannes würdig, weil Du allein ihn wahrhaft liebſt. Nur diejenige, welche ihr Theuerſtes todesmuthig opfern kann, die den Geliebten einer andern Frau aufdringen kann, um ihn dadurch glücklich zu machen, nur die liebt ihn wahrhaft. Du liebſt dieſen Mann wie ſelten Frauen lieben, Du liebſt ihn wie es ſelten Einer verdient. Ihr ſeid einander wahrhaft würdig. Amalie, Dein Gatte muß Marius werden; nur in Deinem Beſitz wird er wahrhaft glücklich ſein. Hätt' ich Dich früher gekannt, wie ich Dich heute kennen gelernt habe, ihr beide wäret ſchon vereint. Aber nun darf nichts dieſe Vereinigung verzögern. Mit Freuden bring' ich Euch das Opfer und ver⸗ laſſe Hallungen ſogleich und kehre erſt zum Früh⸗ jahr zurück. Dann wird er wiſſen, welch eine Perle er an Dir beſitzt, wie Du weit, weit mehr werth biſt als ich.“


