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Das liebende Mädchen löſ'te ſich faſt in Thrä⸗ nen auf. Sie war beſiegt und widerſtand nicht der großen edelmüthigen Siegerin, die ſie wieder⸗ holt, ſie liebkoſend, in die Arme ſchloß und ihr die Thränen von den Wangen küßte. Dann entließ ſie dieſelbe mit den Worten:„Nun geh, liebe Seele, und ſei getroſt. Es wird noch Alles gut werden. Sei verſichert, daß ich rüſtig Hand anlege, Dein Glück zu bauen.“—
Als Hermine allein war, ſtand ſie einige Au⸗ genblicke ſtarr wie eine Bildſäule mitten im Zim⸗ mer; dann that ſie plötzlich einen verzweiflungs⸗ vollen Schrei— es war einer jener furchtbaren Naturlaute, die unwillkührlich tief aus der Seele hervorſteigen und Kunde geben von einem gräß⸗ lichen Zuſtande der gemarterten Kreatur; die die künſtlich gewebten Schleier zerreißen und einen Blick vergönnen in das Innerſte eines ſonſt ver⸗ ſchloſſenen Lebens. Sie bedeckte ihr Geſicht mit beiden Händen und ſank weinend auf das Sopha. Was war es nun, das dieſe Erſchütterung in ihr hervorrief? Liebe zu Marius? Verletzter Stolz, der ſich zur Großmuth emporgipfelte, die ihrem


