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ſie auch nicht der Worte. Die ganze Lage der Dinge war ihrem lebendigen Geiſte im Augenblick klarer als irgend einem der dabei Betheiligten. Sie hatte den Blick einer Seherin; denn ſie hatte den Blick der Liebe. Darum gedieh auch in ihr ein Entſchluß, den ſie ſchon lange gefaßt, zur Reife. Ohne Jemandem ein Wort davon zu ſagen, ging ſie gegen Abend auf das Schloß und ſtand bald der Oberſtin gegenüber.
„Iſt Ihnen wieder ein Zweifel aufgeſtoßen? Bedürfen Sie meines belehrenden Wortes? Oder wünſchen Sie ein Buch aus meiner Bibliothek?“ fragte Hermine freundlich.
„Nicht ein Wort, nicht ein Buch möchte ich heute von Ihnen erbitten, gnädige Frau, ſondern eine That,“ verſetzte Amalie, und der ſchwungreiche getragene Ton ihrer Stimme, durch welchen Auf⸗ regung und Befangenheit des Landmädchens zit⸗ terten, rief ſogleich eine eigenthümliche Wirkung in der Seele der gelehrten Frau hervor, ſo daß ſie verwundert ſprach:„Eine That?! Wohlan, welche wünſchen Sie? Ich liebe Thaten mehr als Worte und Bücher!“


