— 21—
Frau Hehſe mehrmals den Kopf bedenklich und miß⸗ billigend ſchüttelte. Wilhelm ſchrieb das Gedicht fein ſäuberlich mit dem größten kalligraphiſchen Fleiße auf einen goldberänderten Velinbogen; Marh wand einen Kranz von Immortellen dqzu, und„als der Vater in ſeinem Kabinete ſchlief, putzten beide das Zimmer mit Guirlanden aus und ſetzten den Kranz mit dem Gedichte auf den Tiſch, auf welchen, wenn er früh aus dem Kabinet kam, ſein erſter Blick fal⸗ len mußte.
Marh konnte vor ſüßer Erwartung faſt die ganze Nacht keine Auge zuthun, und auch der Doktor ſchlief unruhig.
Am andern Morgen hatte er kaum die noth⸗ wendigſten Patienten abgewartet, als er mit hoch⸗ klopfendem Herzen auf den Zehen in Marh's Zim⸗ mer ſchlich. Verwundert ſah er ſie auf dem Sopha ſitzen, das Köpfchen an ein hochgeſtelltes Polſter gelehnt.
„Fehlt dir etwas, liebe Mary?“ fragte er be⸗ ſorgt. Sie wandte ſich und zeigts ihm ein Paar verweinte Augen.„Das iſt nicht das Geſicht, was ich erwartete. Was gibt es denn gerade heute früh?“ fragte er beſtürzt weiter.


