——
fahrne Kränkung zu ſehn.— Ich will Euch die Wahrheit geſtehen. Ihr habt mir eine mehr männ⸗ liche, als weibliche Erziehung geben laſſen, mein Vater! Darum wundert Euch nicht, daß ich mich um die Ehre unſers Hauſes kümm're und über ſei⸗ nen Rechten und Vortheilen wache, wie ein Mann. Wahrlich, nicht zur Spielerei, nicht zur Befriedigung gemeiner Neugierde, nicht aus thörichter Eitelkeit habe ich Rom's ehrwürdige Sprache erlernt und leſe mit meinem Lehrer Stefano die Bücher des Livius und Tacitus. Ihr wünſchtet mit meinen Talenten zu glänzen; aber Stefano hat eine Römerin aus mir gemacht. Mit dem erwachenden Bewußtſeyn unſrer Unterdrückung wurde der Groll gegen unſ're Thrannen groß in meiner Bruſt, und wie oft ich auch mit dem mir beiſtimmenden Stefano über unſ're Schmach ſprach, mit Euch darüber zu reden wagte ich nicht, weil Ihr glücklich und zufrieden zu leben und mit den beiden Medici im beſten Verhältniſſe zu ſehn ſchient. Ihr hattet Eure Tochter niemals ſo hoch beglückt, mit ihr über öffentliche Angelegen⸗ heiten zu ſprechen; um deſto größern Antheil nahm ſie, ihrer Natur gemäß, daran. Da ſah ich Euch vor wenigen Wochen plötzlich wie verwandelt: die


