„Giuditta,“ bat Stefano herzlich,„bin ich dir fremd geworden, mein Kind? Sieh, ich habe dich in der herrlichen Sprache des alten Rom von früh auf unterrichtet; du biſt mir die liebſte Schülerin; ich bin ſtolz auf dich. Mit ſtiller Freude habe ich die Entwickelung deines ſchönen Geiſtes verfolgt; ich kann ohne Ruhmredigkeit ſagen: ſeine Bildung iſt mein Werk; ich kann kühn fragen: welche von allen edeln Frauen darf ſich mit meiner Giuditta vergleichen?“
„O hättet Ihr meine Seele von dieſem unbän⸗ digen Stolze rein gehalten!“ rief das Mädchen weinend.
„Was bedeuten dieſe Worte? Wer denn wäre im reichen Florenz, mit welchem ſich die einzige Jochter des hochbegüterten, hochgeehrten Ritters Gia⸗ como di Pazzi nicht an Schönheit, Reichthum, Geiſt und Bildung vergleichen könnte? Euer Stolz, Sig⸗ nora, kann nicht größer ſehn, denn Ihr ſelbſt. Ver⸗ traut Euch alſo mir, dem Freunde und Führer Eu⸗ rer Kindheit, Euerm Lehrer und Beichtiger. Es iſt ja Euere heiligſte Pflicht, Euer Herz vor mir aus⸗ zuſchütten und aus dem Munde des Prieſters Er⸗ leichterung zu hoffen. Laßt mich nicht länger ver⸗


