Teil eines Werkes 
2. Band (1834)
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in ein Paar zierlich geſchrieb'nen, vergoldeten und

ausgemalten Handſchriften des Ovid. Den Lehrer

konnte man an ſeiner ſchwarzen Kleidung ſogleich als Weltgeiſtlichen erkennen; das ſtolze Mädchen war die Tochter des Hauſes.

Ich ſehe ſchon, ſagte der Geiſtliche,ſelbſt die Liebeslieder des Ovid munden Euch heute nicht, Signora Giuditta. Eure Aufmerkſamkeit iſt auf den Lärm der Straße gerichtet. Ich erlaſſ' Euch heute Euer Penſum; fliegt hinaus und macht Euch luſtig.

Ihr irrt, Pater Stefano! verſetzte daß Mäd⸗

chen unmuthig;mich lockt die Carnevalsfreude nicht. Was fehlt Euch ſonſt? fragte der Mieſter mit einem ſcharfen Blicke auf die hohe Jungfrau.Seit einigen Wochen bemerke ich eine Veränderung an meiner Beichttochter, die mir unerklärlich iſt: Ihr ſehd zerſtreut, gereizt, zänkiſch, auffahrendz gleich darauf milde, gütig. Ich habe während des Unter⸗ richts ſchon Thränen in Euerm Auge bemerkt.

Laßt mich, mein Vater! ſagte Giuditta, und wollte ſich ſchnell entfernen, bemüht einen Thränen⸗ ſtrom zu verbergen, der ihr aus den Augen ſchoß.