322 Der große Reichstag zu Augsburg
ihm ausgeſtreckten Haͤnden. Aber Suleima und Eleonore wurden von ihnen gefaßt und in einen Kerker geworfen. Stolz und feſten Schrittes gingen ſie Arm in Arm unbe⸗ kuͤmmert um den Hohn ihrer Feinde. Sie waren als aͤchte Heldinnen auch auf dieſes Schickſal vorbereitet und ſahen ihm feſt ins Auge.
Die Partei des vertriebenen Koͤnigs, von Minute zu Minute wachſend, oͤffnete die Thore der Citadelle. Ju⸗ belnd ſtroͤmten die Gefangenen heraus. Sie ſchickten un⸗ verzuͤglich einen reitenden Boten an den Kaiſer ab, ihm ihre Befteiung zu verkuͤnden. Auch die Stadt ſandte eine Botſchaft an den Kaiſer, welche ihm die Schluͤſſel der Thore uͤberbrachte und um Schonung des Lebens und des Eigenthums der zuruͤckgebliebenen Mulei Haſſan ergebenen Bewohner anflehte. Karl konnte dieſe Bitte nicht erfuͤllen; er hatte ſeinen Kriegern die Pluͤnderung der Stadt verſprochen. Um aber Ungluͤck vorzubeugen, ließ er ſchnell auf dem Wege die Heerfuͤhrer zu einem Kriegsrath zuſammenrufen. Sogleich ſchoͤpften die nach
Beute lechzenden Soldaten Verdacht, daß ihnen die zuge⸗
ſagten Fruͤchte des Siegs verkuͤmmert werden ſollten, und ohne den Beſchluß des Kriegsraths abzuwarten und trotz der ungeheuren Strapazen, die ſie bereits erduldet, ſetzten ſie ſich mit unbaͤndigem Geſchrei und in wilder Unordnung in ſchnellern Marſch. Alle Zucht, aller Gehorſam hatten ein Ende. Wie hungrige Raubthiere erreichten ſie die Stadt und ergoſſen ſich in die Straßen und Haͤuſer, alles


