und der Zug nach Tunis.
Sie behandelte von Stund an ihren ſchwachen Schwager mit um ſo groͤßerer verachtungsvoller Kalte, als er vom Kai⸗ ſer mit zur Schau getragener Auszeichnung begnadigt wurde.
Von den proteſtantiſchen Furſten kam keiner nach In⸗ ſpruck. Der Kurfuͤrſt Johann von Sachſen lehnte die Einladung dahin ſogar mit ehrecbietigen Worten ab. Hatte doch Karl ihm bereits zugemuthet, er ſolle den Pre⸗ digern, die er mit nach Augsburg gebracht, Stillſchweigen auferlegen. Jedermann begriff, daß der Augsburger Reichs⸗ tag, auf welchen ſich der Kaiſer in Inſpruck auf ſo ſelt⸗ ſame Weiſe vorbereitete, der gaͤnzlichen Unterdruͤckung der evangeliſchen Lehre gelte, und die Spannung ſtieg um ſo hoͤher, als die proteſtantiſchen Staͤnde zu gar keinem ernſt⸗
lichen, d. h. bewaffneten Widerſtand entſchloſſen waren,
und Luther und Melanchthon ſtets von einem ſolchen ab⸗ riethen.
Bei der Deputation, welche die Stadt Augsburg nach Inſpruck an den Kaiſer ſchickte, um ihn auf deutſchem Bo⸗ den zu begluckwunſchen, befand ſich Anton Fugger, der, als er ſeine ſtaͤdtiſche Pflicht erfullt, in traulicher Abendſtunde eine beſondere Audienz beim Kaiſer hatte. Karl fuͤhrte den Geldfuͤrſten in ſein Kloſet, alle Dienerſchaft war entfernt, und der vertrauliche Ton, den er hier anſtimmte, war weit verſchieden von dem der ſtrengen Foͤrmlichkeit, mit dem er zu der Deputation, und namentlich zu Anton Fugger als Haupt derſelben, geredet hatte. Seit Anton Fugger, als Geſandter Augsburgs an den Kaiſer in Spanien in To⸗
Ein deutſcher Leinweber. IX. 3


