32 5 Der große Reichstag zu Augsburg
erſt beabſichtigt, um ſich hier zuvor zu uͤberzeugen, wer zu ihm halte und wer nicht. Da ſtroͤmten die Fuͤrſten, der hohe Adel und die hohe Kleriſei, die die Reformation haß⸗ ten, oder nach kaiſerlichen Gunſt- und Gnadenbezeugungen luſtern waren, nach Inſpruck zur Begruͤßung des Kaiſers. Und Mancher kam, den Maria nicht erwartet hatte. Was ihr fuͤr den geliebten Bruder, den deutſchen Kaiſer, lieb war, that ihr wehe fuͤr die Sache Gottes. Durch Eins aber wurde ſie erbittert. Der, vom uͤbermuͤthigen, trotzi— gen Adel Daͤnemarks vertriebene Koͤnig Chriſtiern, des Kaiſers Schwager, der in Bruͤſſel bei der Statthalterin lebte, kam ebenfalls nach Inſpruck, wo der Kaiſer foͤrmlich Hof hielt. Nun war Chriſtiern, der Freund des Volks, „der Bauernkoͤnig“, ſchon vor mehren Jahren oͤffentlich zu der neuen Kirche uͤbergetreten. Maria ſah in ihm alſo einen Verbuͤndeten, wie ja ihre verſtorbne Schweſter Iſa⸗ bella gleich ihr mit Begeiſterung an Luthers Lehre gehalten hatte und mit dieſer Ueberzeugung in den Tod gegangen war. Chriſtiern ſtand ſo gut, wie ſie ſelbſt, mit Luther im Briefwechſel, und er hatte ihr ſelbſt oft genug geſchrie⸗ ben, daß er an der erkannten evangeliſchen Wahrheit feſt⸗ halten werde. Und kaum war er ein paar Wochen am kaiſerlichen Hofe, als er ſich vom Kaiſer, von den anweſen⸗ den Fuͤrſten und Praͤlaten berathen ließ und mit beklagens⸗ werther Oſtentation offentlich in den Schooß der allein⸗ ſeligmachenden Kirche zuruͤckkehrte, ein ungeheurer Triumph der roͤmiſchen Partei, der genialen Koͤnigin gegenüber.


