und der Zug nach Tunis. 31
Seele beruͤhrten ihn wohl angenehm und wohlthuend, aber ſie vermochten ihn nicht zu durchdringen und zu bewegen. In ihm ſtand die Ueberzeugung feſt: die frechen deutſchen Theologen haͤtten Chriſtum geſchaͤndet, und die Ehre des Kaiſers erfordere, daß er dieſe Schande austilge. Die Koͤnigin Maria war dagegen der Anſicht, daß Chriſtus vom Papſt und den Pfaffen geſchaͤndet, von Luther und ſeinen Genoſſen aber wieder rein gewaſchen werde, und daß die Ehre des Kaiſers ihn in entgegengeſetzter Richtung fuͤhren muͤſſe, als er wandle. Die Geſchwiſter waren alſo him⸗ melweit verſchieden und deshalb an eine Vereinigung nicht zu denken. Und doch liebten ſie ſich, und Karl liebte die Schweſter ſogar zaͤrtlich.
Die junge, edle Königin mußte uͤbrigens bei ihrer wichtigen, klaren, porurtheilsfreien Anſchauung der öffent⸗ lichen Dinge und bei ihrem innigen Gemuͤthsleben man⸗ chen Schmerz erfahren, und ſie hatte den Troſt, in der Königin Anna— wenn dieſe auch nicht von hoher geiſti⸗ ger Begabung war— eine treue Freundin zu beſitzen, der ſie ſich ganz anvertrauen durfte. Die Eroͤffnung des Reichstag hatte namlich wegen des wiederholten Aufent— haltes, den der Kaiſer noch in Italien erfahren, aufgeſcho⸗ ben werden muͤſſen. Jetzt, nachdem Karl die Stimmung der deutſchen Reichsſtände, den ihm fremd gewordenen deutſchen Geiſt ſondirt und zu ſeinem Unbehagen gefunden hatte, daß nicht Alles ſo ſei, wie er und der Papſt ge⸗ wuͤnſcht, jetzt blieb er mit Fleiß länger in Inſpruck, als er


