Teil eines Werkes 
Der große Reichstag zu Augsburg und der Zug nach Tunis : 3. Theil (1850)
Entstehung
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30 Der große Reichstag zu Augsburg

Grad der Vollendung erreicht. Die gluͤckliche Vermiſchung des habsburgiſchen und ſpaniſchen Typus verlieh ihr einen unausſprechlichen Reiz, dem jedoch ihre hohe geiſtige Be⸗ gabung und ihr liebenswuͤrdiges Weſen vollkommen ent⸗ ſprachen. In jeder Beziehung war ſie eine der ausgezeich⸗ netſten Frauen. Karl hatte ihr wegen ihrer Ketzerei ge⸗ grollt, war es doch an allen Fuͤrſtenhoͤfen beſprochen und getadelt worden, daß ſie nach dem Tode ihres Gemahls die Dedication eines Buchs von Luther angenommen und ihm freundlich fuͤr dieſes Troſtmittel gedankt hatte. Aber vor dieſer Schoͤnheit, vor dieſer Anmuth verſchwand ſein Groll. Haͤtte er nur einen Theil ihres Gemuͤths gehabt, er waͤre jetzt von ihr bekehrt worden, und die Geſchicke der Welt haͤtten ſchnell eine andre Wendung genommen. Schon fuͤrchteten der paͤpſtliche Legat a latere Campaggi, der mit dem Kaiſer nach Inſpruck gekommen war, und die ſpaniſchen Hofherrn etwas dergleichen; denn ſie wollten be⸗ merken, daß Karl ſeiner Schweſter groͤßeres Intereſſe be⸗ weiſe und innigere Huldigung weihe, als einem Bruder zukäme. So oft er konnte, war er in ihrer Geſellſchaft; wenn er ausritt, war ſie ſtets ſeine Begleiterin. Die Die⸗ ner hoͤrten ſie oft uͤber die kirchliche Bewegung in Deutſch⸗ land ſtreiten. Maria wurde dann immer warm und hef⸗ tig; Karl blieb ſtets ruhig und kuͤhl. Das war's eben, daß er fuͤr eine große weltbewegende Idee nicht warm, nicht begeiſtert werden konnte, wie ſie. Deshalb war er auch nicht zu bekehren. Ihre Schoͤnheit, ihr Geiſt, ihre