und der Zug nach Tunis 29
Geld, und band ſie dadurch feſter an ſein Intereſſe, und dieſes Geld ſchenkte er Andern und band ſie dadurch eben⸗ falls an ſich. So hatte er, als er Italien verließ, es erſt wahrhaft und zwar perſoͤnlich erobert, nicht durch Feuer und Schwert, ſondern durch Gunſt- und Gnadenbezeu⸗ gungen, durch Gold und Guͤte, durch Schlauheit und Nachgiebigkeit, durch Verſtellung und Wahrheit, mit einem Worte: durch die ſpaniſche Kunſt. Aber dem deutſchen Reiche erwuchs daraus kein Vortheil; nicht das Reich hatte Italien gewonnen, ſondern der Kaiſer, ja bei ſchar⸗ fem Licht betrachtet, kaum der Kaiſer, ſondern Don Car⸗ los, Koͤnig von Spanien. Das deutſche Reich kam in kei⸗ nerlei Betracht dabei, ja Karl und ſeine Umgebung ließen dies den deutſchen Fuͤrſten deutlich genug merken. Ver⸗ trauend auf ſein Gluͤck und ſeine Kunſt und auf die Schwaͤche und Verderbtheit der menſchlichen Natur, hoffte Karl und mit ihm der Papſt, er werde mit Deutſchland und der Ketzerei auf dieſelbe Weiſe und durch dieſelben Mittel eben ſo ſchnell fertig werden, wie er mit den Ita— lienern fertig geworden war. Schon in Inſpruck ſollte er merken, daß er ſich hinſichtlich des deutſchen Geiſtes geirrt.
Karl hatte ſeine beiden genannten Geſchwiſter in acht Jahren nicht geſehen, da uͤberraſchte ihn denn die hohe vollendete Schonheit der verwittweten Koͤnigin von Ungarn und Boͤhmen. Maria ſtand im fuͤnfundzwanzigſten Le⸗ bensjahre, und ihre geſchonte Bluͤthe hatte den hoͤchſten


