Teil eines Werkes 
Der große Reichstag zu Augsburg und der Zug nach Tunis : 3. Theil (1850)
Entstehung
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24⁴ Der große Reichstag zu Augsburg

zur Hand.„Wunderbares Geſchick!“ ſprach er dumpf. „Dieſes Kleinod, den letzten Befehl meines ſterbenden Va⸗ ters an mich enthaltend, das ich als ein thoͤrichter Minne⸗ knabe vor vierzehn Jahren leichtſinnig in die Hand der ſchonen Zigeunerin legte, muß mir gerade heute zuruͤckge⸗ geben werden. Und nicht von ihr ſelbſt mehr. Ihre todte Hand hat es feſt gefaßt gehalten. Sagte ich ihr nicht da⸗ mals, ich wollte ihr jede moͤgliche Gnade gewaͤhren, wenn ſie mir das Buͤchlein uͤberreichen wuͤrde? Heute hat ſie es gewollt und den Tod daruͤber gefunden. Dieſe harten Maͤnner durften das Zigeunerweib ja nicht zum Kaiſer laſſen. Da bin ich nun der machtigſte Kaiſer der Erde, und das einzige Herz auf dieſer Erde, das mich liebte, das mich warnen wollte, durfte nicht zu mir, weil ich im Be⸗ griff ſtand mich von dem falſchen Heuchler kroͤnen zu laſ⸗ ſen.“ Er lachte bitter in ſich hinein.— Der Graf von Naſſau trat beſtuͤrzt in das Zimmer:„Iſt Ew. Majeſtät ein Unwohlſein aufgeſtoßen?“

„Weißt Du von den Leuten, welche die einſturzende Gallerie erſchlagen?“

„Sie ſind von ihren Angehoͤrigen beim Anbruch des Abends abgeholt worden.“

„Wenn die Leute arm ſind, muͤſſen wir ihnen Gold geben. Was kann der Kaiſer anders?— Es iſt eine Zi⸗ geunerin darunter.“

„Eine ſpaniſche Zigeunerbande, die zum Kroͤnungsfeſt hierhergekommen, hat die Leiche in ihre Herberge getragen,