und der Zug nach Tunis. 23
Karls Zuͤge verfinſterten ſich.„Es waͤre vielleicht beſſer geweſen, wenn man ihr den Willen gethan. Was mag die Frau gerade dieſen Morgen von mir gewollt ha⸗ ben? Haͤtte ſie mich warnen wollen? Nun iſt ihr Mund auf ewig ſtumm. Ich ahne, mit ihr wird ein ſchweres Geheimniß begraben.“
„Sie hielt todt ein kleines koſtbares Buͤchlein krampf⸗ haft in der Hand. Die es der Leiche abgenommen, haben darin das ſchoͤne gemalte Bildniß eines fuͤrſtlichen Herrn entdeckt, und halten es fuͤr das Conterfei von Eurer Ma⸗ jeſtät hochſeligem Herrn Vater.—“
Der Kaiſer war mit aͤngſtlicher Spannung den Wor⸗ ten des Pagen gefolgt.„Ha!“ unterbrach er dieſe Mithei⸗ luug mit ungewoͤhnlicher Erregtheit und ſtreckte die zit⸗ ternde Hand nach dem Portefeuille aus, das ihm der Page darbot und er auf den erſten Blick wiedererkannte.„Ich ahnete es wohl! Sie! Sie! Es war in der Nacht, als mir die Boten die Kunde vom Tode des Koͤnigs von Ara⸗
gonien brachten.“ Von Erinnerungen und Gedanken be⸗ waͤltigt, ſchlug er das wohl erhaltene Buͤchlein auf; das Bild ſeines Vaters blickte ihn an. Darunter ſtanden die Worte in kaſtiliſcher Sprache:„Karl, gehe nicht uͤber die hoͤlzerne Gallerie zur Kroͤnung, Du biſt ſonſt des Todes“
Der Kaiſer ſtand auf und ging unruhig, aber ſchwei⸗ gend auf und ab. Aller Schlaf war ihm vergangen.— „Ruf' mir den Grafen von Naſſau!“ befahl er endlich. Als der Page fort war, nahm Karl das Buͤchlein wieder


