Teil eines Werkes 
Der große Reichstag zu Augsburg und der Zug nach Tunis : 3. Theil (1850)
Entstehung
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22 Der große Reichstag zu Augsburg

Bologna; ſie war gut ausgefuͤhrt worden, und die beiden Hauptacteurs hatten ihre Rollen vortrefflich geſpielt.

Karl war ermuͤdet von der Aufregung und dem Lärm des Tags. Luis de Moja, ſein Lieblingspage, bediente ihn beim Auskleiden.

„Den Heiligen ſei Dank gebracht,“ ſagte der Page, „daß ſie heute Ew. Majeſtät Leben erhalten. Waͤre die Gallerie einige Minuten fruͤher eingeſtuͤrzt— Gott wuͤßte, wie anders dieſer Tag geendet!“

„Seltſam!“ ſagte der Kaiſer vor ſich hin.„Ich hatte dieſen Morgen beim Gebet eia eigenthumliches baͤngliches Gefuͤhl; es war eine Ahnung. Und jetzt kann ich mich nicht uͤberreden, daß das Einſtuͤrzen der Gallerie bloßer Zufall geweſen iſt. Den Florentinern, den Mailaͤndern, den Venetianern, ja ſelbſt den Roͤmern waͤr es ſchon recht geweſen, wenn ich erſchlagen worden waͤre, und ich mag

es nicht wiſſen, wer den Einſturz des ſcheinbar feſtgezim⸗

merten Gebaͤlks veranlaßt hat. Daß er mir galt, davon bin ich uͤberzeugt. Wie viel Menſchenleben hat das Un⸗ gluck gekoſtet?“

„Es ſind nur drei todt zehtae darunter ein ſehr ſhönes Weib, eine Zigeunerin.“

„Eine Zigeunerin!“ ſagte der Kaiſer betroffen.

„Ja, es iſt dasſelbe Weib, das die Thuͤrwache heute fruͤh zweimal hat zuruͤckweiſen muͤſſen. Sie hat durchaus begehrt, zu Ew. Majeſtaͤt gelaſſen zu werden, was doch vor der Kroͤnung nicht moͤglich war.“