12 Der große Reichstag zu Augsburg
wuchs in dieſen Tagen ſo außerordentlich an, daß die
Stadt ſie kaum beherbergen konnte, aber gerade diejenigen
fehlten, denen es am erſten gebuͤhrte, hier mit Wuͤrde und Repraͤſentation aufzutreten: die deutſchen Fuͤrſten. Hoher und geringer Adel, hohe und niedrige Geiſtlichkeit aus Spanien und Italien waren am Morgen des 24. Februar in Maſſe zugegen; ein einziger deutſcher Fuͤrſt war durch Zufall Tags vorher angekommen, der Pfalzgraf Philipp, der kurz zuvor Wien gegen Suleiman vertheidigt hatte. Die deutſchen Kurfuͤrſten waren nicht eingeladen worden, keine deutſche Ritterſchaft, wie ſie ſonſt ihren Kaiſer nach Rom fuͤhrte, war zu ſehen. Auf dem Platze ſtanden wohl dreitauſend deutſche Landsknechte, aber ein Spanier befeh⸗ ligte ſie, der contract gewordne Antonio de Leiva, der auf einem Tragſeſſel ſaß. Was hier in Glanz und Pracht auftrat, war aus Spanien und Italien zuſammengekom⸗ men. Spaniſche Edelknaben eroͤffneten den Zug nach der Kirche St. Petronius, deren Kapellen der Papſt die Na⸗ men der Kapellen von St. Peter beigelegt und einem Ort in derſelben ſogar als die Confeſſion Petri geweiht hatte. Den ſpaniſchen Juͤnglingen folgten die ſpaniſchen Gran⸗ den. Da waren es vorzuͤglich die Traͤger der alten be⸗ ruͤhmten Namen der kaſtiliſchen Geſchlechter: Mendoza, Guzman, Pacheco, Padilla, Manriquez, Zuniga, Toledo, Cueva, Rojas, Ponce de Leon, Saldanga, Gatlinara, Oli⸗ varez. Jedes große Haus war vertreten. Alle wetteiferten in Pomp und Herrlichkeit. Es war ein Schaugepraͤnge,


