Teil eines Werkes 
Der große Reichstag zu Augsburg und der Zug nach Tunis : 3. Theil (1850)
Entstehung
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10 Der große Reichstag zu Augsburg

wichtigen feierlichen Handlung; dieſer fuͤr ihn bereits ſo bedeutungsvolle Tag ſollte dadurch noch hoͤhere Bedeutung gewinnen. Vor fuͤnf Jahren war an dieſem Tage die Schlacht bei Pavia geſchlagen, vor drei Jahren war an dieſem Tage ſein Bruder Ferdinand in Prag zum Koͤnig von Boͤhmen gekrönt worden. Mit dem dreißigſten Ge⸗ burtstage, wo der Mann in das Zenith ſeines Lebens tritt, wollte Karl die uralte Kaiſerkrone von des Papſtes Hand auf dem Haupte empfangen. Er wollte ſein Gluͤck an die⸗ ſen Gluͤckstag binden, und er band es däran; es gelang ihm wider Erwarten. Es war in jeder Hinſicht eine merk⸗ wuͤrdige Kaiſerkroͤnung.

Zwei Tage vorher, am 22. Februar, fand die Kroͤnung Karls mit der eiſernen Krone zum Koͤnig der Lombardei mit großen Feierlichkeiten in der Kirche Johannes des Taͤufers ſtatt. Dieſe von Karl dem Großen ſtammende Krone, der ein ſchmaler in den breiten Goldring eingelaſſ⸗ ner eiſerner Reif den Namen gegeben, wurde ſeit ſieben⸗ hundert Jahren in Monza verwahrt, und dem Herkommen gemaäß hätte ſich Karl in dieſer Stadt damit kroͤnen laſſen ſollen. Aber Karl ſagte: er reiſe nicht zu den Kronen; die Kronen muͤßten zu ihm kommen. Und wie die Kaiſerkrone, ſo ward die eiſerne Krone nach Bologna gebracht.

Der Kaiſer wurde von zwei Kardinaͤlen in die Kirche gefuͤhrt. Er trug einen langen Purpurmantel mit ſilber⸗ nen Ranken und einen goldgeſtickten ſpaniſchen Hut. Der Markgraf von Moja trug ihm das Schwert in der