Teil eines Werkes 
Der große Reichstag zu Augsburg und der Zug nach Tunis : 3. Theil (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8 Der große Reichstag zu Augsburg

treten, gerade wie kurz zuvor die beiden Fuͤrſtinnen in Cambrai, als ſie den Friedensſchluß verhandelten.

Und ſie verhandelten auch mit einander im Geheimen, der Papſt und der Kaiſer, uͤber die hoͤlzerne Gallerie her⸗ uͤber und hinuͤber, und zwar den Weltfrieden, das heißt, die Unterdruͤckung jedes kräftigen Aufſtrebens des Volks⸗ geiſtes im Staat und in der Kirche, in Italien wie in Deutſchland, ſie verhandelten, daß die lutheriſche und die zwingliſche Ketzerei gewaltſam unterdruͤckt werden müſſe. Seht da dendeutſchen Kaiſer, der durch deutſche Sol⸗ daten, die kampfmuthig und begeiſtert ſeinem Rufe folg⸗ ten, als er ſie gegen den Papſt fuͤhren ließ, ſich zum Herrn von Italien machte und den Papſt gefangen nahm, ſeht ihn ſich mit dem Papſt verbinden und unterhandeln zur Bekaͤmpfung desſelben deutſchen Geiſtes, der nach Befrei⸗ ung von der Schlangenumarmung des Papſtes rang und deshalb ſo jubelnd und freudig dem Kaiſer gefolgt war! Das iſt die weltberuͤhmte ſpaniſche Kunſt, die Kunſt der Koͤnige. Und doch ſpielten das Oberhaupt des Reichs und das Oberhaupt der Kirche ebenſogut Komoͤdie miteinander, wie vor dem Volke. Sie konnten ſich einander nicht aus⸗

ſtehen; ſie grollten einander in der tiefſten Seele, keiner

3

traute dem Andern. Aber der Papſt brauchte den Kaiſer

gegen die republikaniſchen Florentiner und gegen die Ketzer in Deutſchland, und der Kaiſer brauchte den Papſt gegen Mailand und Venedig, gegen Frankreich und wieder gegen Deutſchland. Mit einem Worte: Jeder brauchte den An⸗

*