Teil eines Werkes 
Der große Reichstag zu Augsburg und der Zug nach Tunis : 3. Theil (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6 Der große Reichstag zu Augsburg

durch Ungarn nach Oeſtreich und ſeine Belagerung Wiens

noch einmal Karls Macht in Italien, und Mailand und Venedig glaubten im Großſultan einen maͤchtigen Erſatz fuͤr den Koͤnig Franz gefunden zu haben. Des Kaiſers Blicke ſchweiften nicht ohne ernſtliche Beſorgniß von Genua nach Wien; aber ſein Gluͤcksſtern zerſtäubte ſchnell die Wolken, und als Suleiman heimzog, war Karls Macht in Italien nur noch feſter gegruͤndet. Deſto billiger und verſoͤhnlicher zeigte er ſich gegen Mailand und Venedig. Nie war ein kluͤgerer Kaiſer nach Italien ge⸗ kommen. Nachdem er auch den Herzog von Ferrara wie⸗ der zu Gnaden angenommen, ging er zu Anfang Novem⸗ bers nach Bologna, wo ihn der Papſt erwartete. Das Ge⸗ praͤnge war groß von beiden Seiten. Als der praͤchtige Zug der Kaiſer im ſilbernen Helm und Kuͤraß auf einem milchweißen Pferde unter dem von den Profeſſoren und Doktoren der Univerſitaͤt getragenen Himmel von guldnem Stuck unter Trompeten und Paukenſchall auf dem Platze vor der Hauptkirche des heiligen Petronius angekommen war, ſtieg Karl vom Pferde und ſchritt auf die geraͤumige mit koſtbaren Tapeten uͤberkleidete Buͤhne zu, welche hier aufgeſchlagen war, und auf welcher Papſt Clemens in Pontificalibus mit der Tiara auf dem Haupte, umgeben von Kardinaͤlen und Biſchoͤfen, ihn erwartete. Während der Kaiſer zwiſchen zwei Kardinälen die Stufen hinaufſtieg, erhob ſich der Papſt und ging ihm einige Schritte entgegen. Oben angelangt, warf ſich Karl auf