Der große Reichstag zu Augsburg
Da ſtieg er nun aus dem Schiffe, dieſer Kaiſer, als Triumphator und ritt, von den praͤchtigen ſpaniſchen Granden umgeben, langſam durch das endlos wogende, ihm unaufhoͤrlich zujauchzende Volk, ein ſchmaͤchtiger, faſt zierlich gebauter junger Mann mit einem bleichen ziemlich unanſehnlichen Geſicht, mit einer ſchwachen Stimme, ohne Stolz, aber auch ohne Majeſtaͤt; nicht wie ein Koͤnig, nicht wie ein Krieger ausſehend, ſondern wie ein Hof⸗ mann. Das war der Guͤnſtling des Gluͤcks, wie die Erde keinen zweiten beſaß.—
Seit faſt vier Jahren war Karl mit der Prinzeſſin Iſabella von Portugal, Tochter des Koͤnigs Emanuel und Schweſter des jetzigen Koͤnigs Johann des Dritten, ver⸗ maͤhlt. Damals, als er den Koͤnig Franz von Frankreich der Gefangenſchaft entlaſſen, war er nach Sevilla zu ſeiner! Vermaͤhlung gereiſt. Ein Jahr ſpäter war ihm ein In⸗ fant geboren worden, dem er ſeines Vaters Namen Phi⸗
lipp gab. Als er jetzt von der Kaiſerin-Koͤnigin geſchie⸗
den und ihr die Regierung der ſpaniſchen Koͤnigreiche uͤbergeben, war ſie abermals geſegneten Leibes und ihre
Entbindung von einem zweiten Prinzen wurde dem Kaiſer
in der Mitte des folgenden Jahres, als er eben mit dem Papſte zuſammen in Bologna war, gemeldet. Der In⸗ fant ſtarb aber wenige Monate nach ſeiner Geburt.— Es war keine Ehe, die die Herzen geſchloſſen. War es doch zweifelhaft, ob Karl uͤberhaupt jener Gemuͤthsre⸗ gungen, die man dem Herzen zuſchreibt, faͤhig war. Die


