Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Das Haus Fugger : Roman in drei Theilen : Die Sturmvögel zum Bauernkrieg : 1. Theil (1850)
Entstehung
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Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. 349

Weibe einen Feuerbrand ins Haus nehmen, der Dein un⸗ ſchuldiges Herz mit boͤſen unreinen Flammen ergriff.“

„Du irrſt, Ulrich,“ verſetzte Hieronymus mit leiſer und faſt zitternder Stimme.„Und wäre Martha noch ſchoͤner und verfuͤhreriſcher, und haͤtte mein Herz einſt mit noch ſtaͤrkern Banden an ihr gehangen, ſie wuͤrde fuͤr mich nie mehr ſein als die bemitleidenswerthe Gefallene; denn in mein Herz leuchtet ein hoher reiner Stern, der es ge⸗ heiligt hat. Und kann ich ihn auch nicht erreichen und zu meinem irdiſchen Eigenthum machen, ſo iſt und bleibt er doch mein himmliſches Gut und erfuͤllt meine Bruſt ſo ganz mit Licht und Glanz, daß niemals ein andres Frauen— bild darin Platz finden kann. Wo dieſe Heilige aufge⸗ ſtellt iſt, findet keine Suͤnderin Eingang.“

„Mein armer Bruder, auch das iſt ſchlimm. Ich weiß nicht, ob das Fraͤulein Johanna von Sickingen ein Engel in dem Sinne iſt, wie Martha Bry eine Suͤnderin; aber das weiß ich, daß die ſtumme unbefriedigte Sehn⸗ ſuchtspein nach dem Engel Dich ebenſo ins Verderben fuͤh⸗ ren muß, wie der befriedigende Kuß der Suͤnderin. Ich wollte, Du fändeſt bald ein holdes Mädchen, welches die Mitte hielte zwiſchen dem Engel und der Suͤnderin und Dein treues Dich begluͤckendes Weib wuͤrde.“

„Nie, nie!“ hauchte der bleiche Juͤngling, und wiegte das Haupt verzichtend hin und her. Dabei glänzte es in ſeinen Augen, und auch Ulrich fuͤhlte die ſeinigen naß werden.