Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Das Haus Fugger : Roman in drei Theilen : Die Sturmvögel zum Bauernkrieg : 1. Theil (1850)
Entstehung
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348 Die Sturmvögel zum Bauernkrieg.

gluͤckliche? Iſt ſie nicht mehr verfuͤhreriſch ſchoͤn? Sage mir aufrichtig, mein Bruder, wie haſt Du ſie gefunden?“

„Sie iſt noch ſehr ſchoͤn,“ verſetzte der junge Mann mit Waͤrme,„ja, ich glaube, daß ſie niemals ſchoͤner war als jetzt. Auch hat ſie ihr munteres frohes Weſen noch. Sie wuͤnſcht nichts ſehnlicher, als von dem alten Scheuſal, das ſich an ſie geklammert, loszukommen, und ſie hat mich bei unſerer ſchoͤnen Jugendzeit beſchworen, ſie zu retten. ulrich wir duͤrfen die Ungluͤckliche nicht verlaſſen.“

„Wir wollen ſie nicht verlaſſen, mein Bruder. Aber bedenke, es iſt ein gefallenes, ein tief gefallenes Weib! Sie hat den brauſenden ſchaͤumenden Becher des Lebens ausge⸗ trunken, wie es dem Weibe nicht ziemt, ja, ſie hat ſelbſt die Hefen nicht verſchmäht, und wir wiſſen noch nicht, ob ſie auch wahrhaft Reu' und Leid traͤgt uͤber ihr luderliches Leben. Du ſagſt ſelbſt, ſie iſt noch ſehr ſchoͤn. Sie iſt achtundzwanzig Jahre alt, Du, mein Rony, fuͤnfundzwan⸗ zig. Deine freundlichſten Jugenderinnerungen ketten ſich an dieſe ſchoͤne Suͤnderin. Ich muͤßte mich ſehr irren, wenn Deine erſte aufkeimende Neigung, die erſte Bluͤthe, die Dein junges Herz trieb, nicht eine gluͤhendere Faͤrbung gehabt haͤtte, als Bruderliebe zu haben pflegt. Als Martha aus dem Hauſe unſerer Mutter ſchied, betrauerteſt Du in ihr gewiß mehr als eine verirrte Schweſter. Du biſt der reine Juͤngling geblieben, ſie iſt den Weg des Laſters ge⸗ gangen. Frauenliebe iſt Dir fremd geblieben. Rony, ich moͤchte um Chriſti Blut nicht mit dieſem ſuͤndigen