—..———
Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. 327
vielgeſcholtene Doktor Luther doch Recht habe und in alle Ewigkeit Recht behalten werde. Der Papſt und die Pfaf⸗ fen ſeien alle„verſchmitzte Luͤgentoͤpfe.“ Sie habe das zwar ſchon lange gewußt und auch kein Hehl daraus ge⸗ macht;z aber jetzt, da ſie die„himmliſchen Prädikanten“ gehoͤrt, fuͤhle ſie ſich gedrungen, der Sache den rechten Namen zu geben. Auch ſei ihr nicht erſt ſeit geſtern zu Sinn geweſen, daß ihr Neffe ulrich auf dem rechten Wege ſei, indem er zu den lutheriſchen Predigern halte und dem ſchwergedruͤckten gemeinen Mann wohlwolle. Das ſei ge⸗ rade auch ihre Ueberzeugung. Und Meiſter Jakob ſolle ſich nicht etwa ungeberdig ſtellen, wenn er erfahre, daß auch ſein Neffe Raimund Wohlgefallen an der neuen Lehre finde; ſeine Ehewirthin ſchwaͤrme ſchon dafuͤr. Der junge Raimund Mohr habe die Liebhaberei fuͤr Luther von Ungarn ins Haus gebracht. Den habe die Koͤnigin von Ungarn bekehrt. Und ſo liege es gar nicht außer den Gren⸗ zen der Moͤglichkeit, daß eines ſchoͤnen Morgens die ganze Fuggerſche Familie von dem roͤmiſchen Luͤgenglauben ab⸗ gefallen ſei.— Das Alles ſagte die dicke Frau ſo ruhig und mit ſo duͤrren Worten in ihrem koͤſtlichen Phlegma, als wenn ſie von ihren Wirthſchaftsangelegenheiten rede, waͤhrend ihrem Jakob zu Muthe war, als wanke der Boden unter ihm. Das war der argſte Schlag, der ihn treffen konnte. Seine eigene Frau ketzeriſch geſinnt! Sein Neffe, ſein ganzes Haus von der heiligen Kirche abgefallen, die ihm als Hochſtes galt, was die Erde beſaß! Die Wirkung


