Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Das Haus Fugger : Roman in drei Theilen : Die Sturmvögel zum Bauernkrieg : 1. Theil (1850)
Entstehung
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328 Die Sturmvögel zum Bauernkrieg.

war erſchuͤtternd; ein paar große Thraͤnentropfen quollen unter ſeinen grauen Wimpern hervor und rannen durch die tiefgefurchten ſteinernen Wangen. Jakob Fugger konnte ſich nicht erinnern, daß er jemals geweint habe. Sibylle betrachtete ihn, die fleiſchigen Haͤnde uͤber ihrem fleiſchigen Bauche gefaltet, mit einer gewiſſen kleinen Schadenfreude. Sie goͤnnte ihm die Demuͤthigung; ſie hatte nie Wohlge⸗ fallen gehabt an ſeiner Freundſchaft mit fuͤrſtlichen Pfaf⸗ fen und derlei vornehmen Herrn.

Jakob unterredete ſich mit ſeinen Neffen Raimund und Anton. Er betrachtete es als Gewiſſensſache, ſie von der Ketzerei zuruͤckzuſchrecken. Da erfuhr er wenigſtens den Troſt, daß der geliebte Anton feſt und unwandelbar an der roͤmiſchen Kirche, ſo wie an allen Grundſaͤtzen ſeines Ohms feſthielt, und daß es mit deshochprunkenden, lebensluſtigen Raimund Ketzerei gerade nicht weit her war. Bei Rai⸗ mund Fugger ging nichts tief, wie haͤtte der reine evange⸗ liſche Glaube tiefe Wurzel ſchlagen ſollen! Er laͤugnete nicht, daß ihm die Predigten der das Evangelium verkun⸗ denden Prieſter gefallen haben und daß ſeine Frau als un⸗ gariſches Landeskind ganz und gar fuͤr Luthern eingenom⸗ men ſei, weil die junge Koͤnigin ihres Geburtslandes eine ſo gluͤhende Anhaͤngerin des wittenberger Glaubens ſei, wie ihr ihr Bruder, der Oberbergrath, geſchrieben, und das ſei freilich auch wahr, daß ſein Pathe und jetziger Haus⸗ genoſſe, der junge Raimund Mohr, nicht nur in der Liebe, ſondern auch im Glauben von der reizenden Königin eifrig