Teil eines Werkes 
3. Abtheilung, Das Haus Fugger : Roman in drei Theilen : Die Sturmvögel zum Bauernkrieg : 1. Theil (1850)
Entstehung
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42 Die Sturmvögel zum Bauernkrieg.

lingsſchweſter Sibylle, der lieblichen ſanften Ehewirthin Marp von Buͤbenhovens, entlehnte. So ſinnig, ſo rein, ſo edel, gut und tugendhaft ſollte das Mädchen ſeiner Wahl ſein. Aber er ſuchte ſie nicht, er hatte auch kein heftiges Beduͤrfniß ſie zu finden; ihr Bild ſtand eben vor ſeiner Seele, und das genugte ihm. Jetzt, als er im hohen Grade angeregt von der Reiſe durch das ſchoͤne Schwaben und die reizende Rheingegend, von dem Aufenthalt auf der Burg, die als eine Pfalz des Lichts und der Wahrheit in den Traͤumen ſeiner trunkenen Phantaſie gelegen, von den Worten der Maͤnner, die er anbetete und hier in einem großartigen Verein fand, an nichts weniger als Minneluſt dachte, trat ihm ploͤtzlich ein herrliches jugendliches Frauen⸗ bild entgegen, welches ſein Traumbild an weiblicher Wuͤrde, Hoheit und Schoͤnheit bei weitem uͤbertraf, und er fuͤhlte ſich— eingedenk ſeiner verkuͤmmerten Geſtalt— von all dieſer Herrlichkeit beſturzt, gedruͤckt, eingeſchuͤchtert und doch auch wieder geiſtig erhoben und beſchwingt. Er war ſich ſelbſt ein Raͤthſel. An ſeinem, ſeiner Schweſter Si⸗ bylle nachgebildeten Traumbilde fehlte jener Heiligenſchein der hoͤchſten weiblichen Wuͤrde, jenes unverkennbare Etwas von Erhabenheit, was wie ein Strahl von Goͤttlichkeit ein edles und ſchoͤnes Frauengebild umfließt und ein empfaͤng⸗ liches Maͤnnerherz gleichſam zur Anbetung zwingt; aber gerade dieſer ätheriſche Glanz leuchtete in koͤſtlicher Fuͤlle von Johanna's reiner, jungfraͤulicher Stirne. Deshalb konnte er ſich das ſcheue wunderbare Gefuͤhl nicht deuten,