Die Sturmvögel zum Bauernkrieg. 41
hatte allein den großen und maͤchtigen Ideen gegolten, welche die Welt bewegten. Vielleicht hatte ihn auch ſeine ſchwaͤchliche und kraͤnklich ausſehende Geſtalt, das natuͤr⸗ liche Erbe ſeines Vaters, davon abgehalten. Er wufßte es, daß er keiner der jungen Maͤnner war, die durch Friſche oder Schoͤnheit der Geſtalt ſich Herzen zu gewinnen ver⸗ moͤgen. Nur zu der ſchoͤnen Martha Bry, als ſie im Hauſe ſeiner Mutter lebte, hatte er eine Neigung gefaßt, die indeſſen bei weitem mehr die Natur der Geſchwiſter⸗ liebe, als der Geſchlechtsliebe hatte. Auch war Martha drei Jahre aͤlter als er, und er ſchien ſie ſpaͤter faſt ver⸗ geſſen zu haben. In der Schreibſtube ſeines Bruders hatte er emſig des Geſchäftes gewartet, in den Mußeſtunden die
Schriften Huttens und Luthers und anderer hervorragen⸗
der Geiſter der Zeit verſchlungen. Fuͤr andere Vergnuͤgun⸗ gen, und namentlich fuͤr das Frauenzimmer ſchien er keinen Sinn zu haben. Seine koͤrperliche Unanſehnlichkeit brachte es zumeiſt mit ſich, daß er in Geſellſchaft ſchuͤchtern und verlegen, und Jungfrauen gegenuͤber meiſt ſtumm war, und ſo war er allerdings nicht geeignet, bei den gefallſuͤch⸗ tigen und luſtigen vornehmen Buͤrgerstoͤchtern Augsburgs Gluͤck zu machen; aber ihr geſpreitztes ſtolzes Thun und Weſen gefiel ihm eben ſo wenig, und ſo waren ſie einan⸗ der ziemlich fern geblieben. Hieronymus' verſchloſſene und ſchwer zu oͤffnende Seele hatte ſich mit gluͤhender Phan⸗
taſie das Traumbild einer Geliebten geſchaffen, welches,
ohne daß er es wußte, die meiſten Zuͤge von ſeiner Lieb⸗


