40 Die Sturmvögel zum Bauernkrieg.
das Brot, ſondern auch den Wein im Nachtmahle. Denn hier auf der hohen Ritterburg wurde das Heiligthum des Kelches zuerſt zu den andachtdurſtigen Lippen ſtarker Gei⸗ ſter gefuͤhrt, ſie mit dem Blute des Lebens zu tranken, ehe man dies in Wittenberg ſelbſt wagte. Aber der feierliche Kirchenakt, in welchem ſich die beiden Bruͤder Fugger von der paͤpſtlichen Kirche oͤffentlich losſagten, erhielt fur Hie⸗ ronymus durch die Gegenwart einiger neu hinzugekomme⸗ ner Perſonen noch eine beſondere Weihe und hoͤhere Be⸗
deutung. Als naͤmlich die augsburger Freunde auf der
Ebernburg anlangten, waren Sickingens Gemahlin und zweite noch unverheirathete Tochter abweſend und zum Beſuch bei der aͤlteren Tochter, Ehewirthin des Ritters Hartmuth, auf Kronberg bei Frankfurt. Aber ſchon nach einigen Tagen waren die Mutter und die beiden Toͤchter angelangt, und die junge Ritterfrau gedachte neben ihrem Ehewirth einige Wochen im Schooße des elterlichen Hauſes zu verleben. Hieronymus wurde beim Anblick der ſchlan⸗ ken edlen Geſtalt des Fraͤuleins Johanna von Sickingen
mit dem großen, blauen, ſinnigen Auge und dem verſchamt
ernſten Gebahren, zuerſt von jenem beklommenen ſeltſa⸗ men Gefuͤhl uͤberraſcht, welchem die Jugend meiſt keinen Namen zu geben vermag, da ſie ſich unter der Liebe meiſt ein ganz anderes Gefuͤhl denkt. Obgleich Hieronymus ſchon im dreiundzwanzigſten Jahre ſtand, hatte er doch noch kein Auge fuͤr die Schoͤnheit der Toͤchter ſeiner Va⸗ terſtadt gehabt. Die ſtille Schwaͤrmerei ſeiner tiefen Seele
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