Der deutſche Kaiſer.
Eh' die Nacht auf die Berge ſank, waren die Zigeuner aus dem Thal verſchwunden; mit ihnen Ineſe und Aya. ℳ In der Herberge des königlichen Paars rang aber Mark⸗ graf Johann von Brandenburg mit dem Tode. Ver⸗ zweiflungsvoll ſaß Germaine an ſeinem Schmerzenslager. Endlich preßte ihm die Todesangſt das Geſtändniß ab: .„Ich bin vergiftet von Ineſe de Cardona.“ 6 Die Königin begriff aus dieſen Worten Alles. Sie wurde ruhig. Nach einer Stunde fürchterlichſter Qual war der leichtſinnige Fürſt eine Leiche. Germaine vergoß keine Thräne; ſie hatte die Ueberzeugung, daß ein gerech⸗ tes Strafgericht hier gewaltet habe. Zwei Tage ſpäter wieder am Abend kniete Ineſe auf 4* dem Grabe Maria's von Iſſelſtein und betete lange. Sie hatte am Tage einige Stunden in dem einſamen Land„ hauſe zugebracht, das jetzt von einer Bauernfamilie be⸗ wohnt war. Sie verbrannte mehre Papiere und ſchenkte 3 der Bäuerin all ihre Habe, nebſt dem Maulthier, auf welchem ſie gekommen war. Dann ging ſie hinaus zu dem Doppelgtabe. Ihr Leben ging an ihrem düſtern Geiſte noch einmal vorüber. Sie ſchauderte, daß der Sidi 1 Alnayar recht gehabt: den Mauren hatte die ſittliche Kraft — gefehlt, die Wirren in Spanien zu benutzen und das Joch abzuwerfen. Es war bei einigen unbedeutenden Aufſtän⸗ den geblieben, und dieſe hatte Chaireddin Barbaroſſa her⸗ vorgerufen. Ueberall hatte ein tüchtiger Anführer gefehlt; nirgend war eine wahre Begeiſterung für Religion und 21
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